Drucker, Mediengestalter, Verlagsangestellte sowie Redakteure und Redakteurinnen von Weserkurier und Bremer Nachrichten sind heute, 12. Mai 2011, einem Aufruf der Gewerkschaften ver.di und Deutscher Journalisten-Verband zum Warnstreik gefolgt und haben die Arbeit niedergelegt. Die Drucker haben bereits in der Nacht zuvor gestreikt, ihnen folgen am Donnerstag die KollegInnen im Bremer Pressehaus sowie aus den regionalen Zeitungshäusern.
Mit dem Streik protestieren die Beschäftigten von Weser-Kurier und Bremer Nachrichten wie auch ihre Kollegen und Kolleginnen in den anderen Bundesländern gegen die Forderungen der Zeitungsverleger und Druckarbeitgeber. In den oben genannten Abteilungen, so die Forderung der Verleger, soll es massive finanzielle und soziale Einschnitte geben. Zudem soll für die neu eingestellten Redakteure und Redakteurinnen ein abgespeckter Tarifvertrag eingeführt werden, der diesen Beruf massiv abwertet und die Zukunft des Journalismus in Frage stellt. Eine Streikversammlung findet ab 10.30 Uhr im Hof des Pressehauses in der Langenstraße statt, um gemeinsam über die bislang gescheiterten Verhandlungen zu diskutieren und weitere Maßnahmen zu beraten.
Die Tarifauseinandersetzungen sind nicht nur in Bremen akut. Auf der Pressekonferenz am 10. Mai 2011 in Berlin hatten die beiden Verhandlungsführer, Kajo Döring (DJV) und Frank Werneke (ver.di) eine Ausweitung der Streikaktionen angekündigt. Die Streikenden haben überraschenderweise von einigen Zeitungen auch deutliche Unterstützung erhalten. So berichtete der Spiegel in seiner Ausgabe vom 7. Mai ausführlich über die laufenden Tarifverhandlungen und beschrieb ausführlich den Zusammenhang zwischen Qualitätsjournalismus und fairen Tarifverträgen. Am 6. Mai äußerte sich auch die FAZ durchaus kritisch zu den Bestrebungen der Zeitungsverleger mit ihrem Forderungen nach einem Dumping-Tarifvertrag für die Neueinsteiger in den Journalismus-Beruf. Breit berichtet wurde auch über die Auseinandersetzungen bei der Frankfurter Rundschau. Hier plant der Verleger, in Frankfurt nur noch die Lokalredaktion zu belassen, und die anderen Redaktionen mit der Berliner Zeitung in Berlin zusammen zu führen. Die immer monotone Begründung lautet, dass Kosten gespart werden müssen. Wie immer gilt auch hier: Kosteneinsparungen können evtl. kurzfristig durchgesetzt werden, langfristig werden sie zu einem Schnitt ins eigene Fleisch, wenn dabei die Qualität des Produkts sinkt. Dann sinken erst die Auflage und dann die Erlöse für Abos, Verkäufe und - nicht zuletzt - Anzeigen.
Pressemtteilung ver.di / sh