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18. April 2011

Mdexx: Offener Brief an die Investoren in der Schweiz

Herbert Strosetzky, BR-Vorsitzender von Mdexx, und Peter Stutz, zuständiger IG-Metall-Sekretär, bei einem Warnstreik am 25. November 2010 vor dem Werkstor.

Bei der Bremer mdexx sind die Fronten in der Auseinandersetzung um die Umzugspläne der Geschäftsführung unverändert verhärtet. In einem offenen Brief an den Eigentümer der ehemaligen Siemens-Tochter, den Schweizer Finanzinvestor CGS, hat die Belegschaft jetzt für ein gemeinsames Zukunftskonzept plädiert.

Widersprüchliches Zickzack

In der Tat ist der Kurs der Geschäftsführung immer schwerer nachvollziehbar. Bis vor kurzem begründete sie den Umzug einschließlich der damit verbundenen Betriebsspaltung noch vor allem mit der Aussage, der Vermieter, ein früherer Mdexx-Besitzer und Hauptkunde Siemens, verlängere den derzeitigen Mietvertrag nicht. Nun stellte sich heraus, dass man ein sicher geglaubtes neues Objekt mangels bindender Vereinbarungen doch nicht bekommt - worauf die Geschäftsführung unbekümmert mitteilt, man werde eben den Vertrag mit Siemens verlängern. Dessen ungeachtet soll der andere Teil des Umzugs wie geplant stattfinden, während man ein neues zweites Objekt als Ersatz sucht. Entgegenkommende Angebote des Bremer Senats werden gleichzeitig mit schwammigen Gründen abgelehnt, Siemens' Bereitschaft zur Pachtverlängerung hartnäckig ignoriert.

Brief an die CGS

Belegschaft, Betriebsrat und Bremer IG Metall befürchten angesichts dieser Wirrungen und früherer Auseinandersetzungen umso mehr, dass es mdexx trotz aller Dementis im Grunde vor allem darum geht, mit der Betriebsspaltung den Boden für weitere Verlagerungen und letztlich die Zerschlagung zu bereiten. Jetzt haben sie sich mit einem offenen Brief (siehe mdexx-cgs.pdf) an die Schweizer Private Equity-Gesellschaft CGS gewendet, die mdexx im Jahr 2009 von Siemens übernahm.

"Warum lassen Sie dieses Verhalten der Geschäftsführung zu?"

Den CGS-Gesellschaftern stellen sie darin die Frage, warum die Geschäftsführung in Bremen ungehindert riskieren kann, nicht nur die Belegschaft, sondern auch den wichtigsten Kunden Siemens und den Bremer Senat vor den Kopf zu stoßen und obendrein den wirtschaftlichen Erfolg zu gefährden: "Von den Siemens- Aufträgen hängen unsere Arbeitsplätze, die wirtschaftliche Existenz des ganzen Untemehmens und auch Ihr Investment ab. Wir arbeiten hart mit halbierter Belegschaft, um die vom Management verursachten Lieferrückstände abzuarbeiten und wieder Ruhe und Verlässlichkeit in unser Geschäft zu bringen. Doch die Geschäftsführung nimmt trotzdem lieber neue Lieferprobleme durch Umzüge und den damit verbundenen Produktionsstillstand in Kauf!"

"Ergreifen Sie die ausgestreckten Hände, ehe es zu spät ist"

CGS bieten die Beschäftigten vor diesem Hintergrund nachdrücklich an, gemeinsam ein Zukunftskonzept für mdexx in Bremen zu entwickeln: "Unser Betriebsrat, die IG Metall Bremen und auch die Wirtschaftsförderung Bremen sind dazu bereit und haben unser Vertrauen." Außerdem laden sie den Investor ein, auf die drängenden Fragen der Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung einzugehen: "Geben Sie uns damit ein positives Signal für die Zukunft des Standortes Bremen."
Quelle (mit freundlicher Genehmigung): siemens-dialog


Unterstützung durch die IG Metall

Die IG Metall Bremen erklärte in einer Medieninformation vom 15. April dazu:

Die IG Metall unterstützt in einer Erklärung den offenen Brief des mdexx-Betriebsrates: "Die IG Metall Bremen musste mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass der fest geplante Umzug der mdexx GmbH an zwei verschiedene Standorte, nach Ritterhude und Stuhr-Seckenhausen plötzlich nach einer Erklärung der Arbeitgeberseite nicht mehr stattfinden soll.

Die mdexx Geschäftsführung hatte die im Unternehmen gebildete Einigungsstelle mit "Argumenten" bombardiert, die sich im Nachhinein als zerplatzende Seifenblasen herausstellten. Der Umzug nach Stuhr-Seckenhausen wird nicht stattfinden, weil die mdexx es angeblich nicht geschafft habe, einen Mietvertrag, der eigentlich längst unter Dach und Fach war, abzuschließen. Der Umzug nach Ihlpohl/Ritterhude werde nach wie vor durchgeführt. Mit dem Restbetrieb werde man zunächst auf dem Siemens-Gelände bleiben.

Die Argumente: Der Umzug sei unglaublich eilig, deshalb könne man auf die Angebote des Bremer Senats nicht eingehen, Siemens wolle den Mietvertrag nicht verlängern, Siemens werde sowieso die Mietkosten anheben und deshalb müsse man schleunigst das Gelände verlassen, erweisen sich nunmehr als falsch.

Mit berechtigter Empörung haben die Beschäftigten der mdexx GmbH an die Schweizer Eigentümer dieses Unternehmens geschrieben. Die Beschäftigten fragen, warum die Eigentümer das unmögliche Verhalten der Geschäftsführung in Bremen zulassen. Die Schweizer Eigentümer sollen ihrer Verantwortung für den Erhalt der Arbeitsplätze nachkommen; sie sollen die ausgestreckten Hände der Beschäftigten, des Betriebsrates, der IG Metall und auch des Bremer Senats ergreifen, bevor es zu spät ist.

Diesem Appell kann sich die IG Metall Bremen nur anschließen. Der Betriebsrat hat beim Arbeitsgericht Bremen die Einrichtung einer neuen Einigungsstelle beantragt, da die Veränderung der Pläne eine neue Betriebsänderung darstelle und ein neuer Interessenausgleich mit dem Betriebsrat zu vereinbaren sei.

Die IG Metall Bremen wird sich mit all ihren Möglichkeiten dafür einsetzen, dass durch die Unfähigkeit von Management-Entscheidungen in Bremen nicht weitere Arbeitsplätze vernichtet werden.
(sh)

mehr und aktuelle Information unter www.mdexx.info