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13. Mai 2011

Warnstreikende vom Betriebsgelände vertrieben

Der Warnstreik von Druckern, Journalisten und Verlagsangestellten bei Weserkurier und Bremer Nachrichten ist gestern eskaliert. Ulrich Hackmack, Haupteigentümer und Vorstandsvorsitzender der Bretag (Bremer Tageszeitungen AG), hatte persönlich die über 150 Streikenden des Betriebsgeländes verwiesen. Sie zogen daraufhin in einer Spontandemonstration zum Marktplatz und informierten die Passanten. "Fast müssten wir Herrn Hackmack dankbar sein, dass er mit seiner Vertreibungsaktion dafür gesorgt hat, dass schon jetzt eine breitere Öffentlichkeit auf die berechtigten Anliegen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Druckerei, Verlag und Redaktion aufmerksam wurde, so Friedrich Siekmeier, Sprecher des Landesfachbereiches Niedersachsen-Bremen. Die Polizei ließ sich davon überzeugen, dass es sich hierbei nicht um eine nicht-genehmigte Demonstration sondern um einen Spaziergang handelte.

Der ver.di-Fachbereich Medien hat den Arbeitgeber vor einer Eskalation in der laufenden Tarifrunde in der Druckindustrie und der Verlagsbranche gewarnt. Friedrich Siekmeier, erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit bei der Bretag Tradition gewesen sei, dass sich die Streikenden im Hof des Pressehauses versammeln durften. "Es ist kein gutes Vorzeichen für die nächste Verhandlungsrunde am kommenden Dienstag, wenn Herr Hackmack jetzt erstmals die über 150 Streikenden vom Hof getrieben hat." Hackmack solle seine Aktivitäten eher darauf lenken, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten durch verlässliche Tarifverträge zu verbessern anstatt Tarifflucht zu begehen.

"Die Qualität der Tageszeitungen in technischer und inhaltlicher Hinsicht kann nur verbessert werden, wenn nicht die die Arbeitsbedingungen verschlechtert werden," so Siekmeier weiter, der auch Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalisten-Union in ver.di ist. "Die Forderungen nach Arbeitszeitverlängerung, nach Abschaffung des Berufsschutzes für Druckereibeschäftigte und nach Absenkung der Bezahlung sind da nur schädlich," so Siekmeier weiter.

Der Weserkurier von heute, 13. Mai 2011, ist dennoch, wenn auch vor allem im Lokalteil deutlich abgespeckt, erschienen. Wie Radio Bremen (12.05.11) zu melden wusste, wurde die Ausgabe von den Geschäftsführern zusammen mit Leiharbeitern gedruckt. Die Arbeitgeber wollen generell die Löhne in der Druckindustrie massiv senken. Sie wollen außerdem den Facharbeiterschutz aufheben; indem auch Nicht-Drucker an Druckmaschinen beschäftigt werden. Die Journalisten, vertreten vom DJV, fordern ein Plus von 4%. Den Zeitungsverlegern ist das zu viel. Sie lehnen die Forderung nicht nur ab, sondern dazu das Weihnachtsgeld streichen und vor allem für die jungen, neu eingestellten Journalisten und Volontäre mit einem ziemlich abgespeckten Tarifvertrag "beglücken". Ihre Entgelte sollen gegenüber dem jetzigen Tarif um ca. 30% abgesenkt werden. Die Entwicklung geht noch weiter. Vor einigen Jahren schon hat die Bretag die nicht tarifgebundene Pressedienst Nord GmbH (PDN) gegründet. Hier werden Verträge zwischen den Journalisten und der PDN "frei" ausgehandelt. Der DJV schätzt, dass die Gehälter hier mindestens 800 Euro unter Tarif liegen.
Pressemitteilung ver.di v. 12.05.11 / sh