In der Nacht von Donnerstag auf Freitag und am morgigen Freitag werden die Beschäftigten der Brauerei Beck & Co und der Roland Brauerei Service GmbH die Arbeit niederlegen. Die Kolleginnen und Kollegen reagieren damit auf das letzte Arbeitgeberangebot in den Entgelttarifverhandlungen. Das Inbev-Management hatte in der Verhandlung am 30. März 2011 für das Jahr 2011 eine Erhöhung von 55,- Euro (entspricht in der Facharbeitergruppe 1,86 %) und für die ersten 9 Monate in 2012 eine Erhöhung von 60,- Euro (entspricht 2,0 %) angeboten.
Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Bremen-Weser-Elbe, Dieter Nickel, hält dieses "Angebot" für völlig inakzeptabel. "Wenn Inbev-Deutschland Chef Cools im Zeitungsinterview sagt, dass die 850 Millionen Bonus für die 40 TOP-Manager nichts mit der deutschen Lohnerhöhung zu tun haben, dann ist die Antwort im gleichen Interview zu finden. Wenige Absätze vorher bestätigt er nämlich, dass der Absatzrückgang in Deutschland mit fehlenden Investitionen in diesen Markt zu tun hat und dass man das Geld anderweitig gebraucht habe. Der Bonus für das Management wird aber genau damit begründet, dass es gelungen ist, soviel Geld „einzusparen“ und die Schulden durch den AnheuserBusch-Kauf schneller zu reduzieren." Im Klartext bedeutet das: Keine Investitionen, weniger Schulden und fette Boni für das Management. Auf der anderen Seite: Weniger Absatz und kein Geld für die Beschäftigten.
"Die einzige Triebkraft für das Inbev-Management ist die unersättliche Gier nach immer höheren Profiten und Boni," sagt dazu Dieter Nickel. "Das machen wir nicht mit. Die Arbeitgeber haben noch eine letzte Chance, ein vernünftiges Angebot vorzulegen. Wenn sie dies nicht tun, wird es nicht bei Warnstreiks bleiben, dann werden wir dafür sorgen, dass sehr schnell das Bier ausgeht.“
Bereits am 3. Februar hatten rund 400 Beschäftigte der Brauerei Beck & Co. sowie der ebenfalls zum Inbev Konzern gehörenden Roland Brauerei Service GmbH für vier Stunden ihre Arbeit niedergelegt und auf die Kündigung des Bundesrahmentarifvertrages (BRTV) durch den deutschen Brauerbund reagirt. Im BRTV sind die Eingruppierungsmerkmale festgelegt, die für die Höhe der Eingruppierung der Brauereibeschäftigten maßgeblich sind. Der Arbeitgeberverband fordert unter anderem eine Niedriglohngruppe und geringere Vergütungen für die sogenannten "Randbelegschaft". Die damit verbundenen Entgeltabsenkungen würden z.B. Sekretärinnen, Außendienstler, Fahrer, Staplerfahrer, alle kaufmännischen Angestellten ohne Sacharbeiterstellung und viele andere betreffen.
1974 haben die Gewerkschaft NGG und der deutsche Brauerbund als erste Tarifparteien bundesweit einen einheitlichen Entgeltrahmentarifvertrag für Arbeiter und Angestellte geschlossen. Dieser sah gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit vor. Gehaltsunterschiede zwischen Angestellten und Arbeitern, Männern und Frauen oder jungen und älteren Beschäftgiten waren damit nicht mehr möglich.
(ms)