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18. September 2011

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!" - Protestaktion des Bremer Bündnisses für Bildung

Spontandemo nach der Kundgebung

eins der vielen Transparente

Fotos: Erich Kassel

Besonders SchülerInnen der Gymnasien tragen ihren Protest gegen die unglaubwürdig gewordene bremische Bildungspolitik überaus wirksam in die Öffentlichkeit. Zuerst, in der Nacht vom 7.  zum 8. September, besetzten die Schülerinnen und Schüler das Gymnasium an der Hamburger Straße, dann folgte einen Tag später das Kippenberggymnasium, danach am 13. September das Schulzentrum an der Delmestraße und zum Schluß das Alte Gymnasium. Die Berichterstattung in den Medien ("Buten und binnen" und Weserkurier) ist gut. Das Flugblatt der LINKEN ("Wo gehen eigentlich all die Stunden hin?") erläutert viel von den Hintergründen des Protestes.

Am 17. September nun hatte das "Bremer Bündnis für Bildung", zu dem sich die GesamtschülerInnenvertretung, der Zentralelternbeirat und die GEW zusammengeschlossen haben, zu einer Protestversammlung auf dem Bahnhofsvorplatz aufgerufen, an der sich  ca. 300 Schüler, Eltern und Lehrer beteiligten. Später formierten sich viele der Teilnehmer zu einer spontanen Demonstration durch das Rembertiviertel und das Ostertorviertel in Richtung Markt und AOK-Kreuzung. Nach einer kurzen Sitzblockade ging es weiter bis zum Gebäude der Bildungsbehörde am Breitenweg.

In den Reden auf der Protestversammlung wurde noch einmal deutlich gemacht:
Seit 1995 ist jede fünfte Lehrerstelle abgebaut worden. Begründung: das würde wegen der gesunkenen Schülerzahl (die sogenannte "demographische Rendite") möglich sein.
Die Schülerzahlen sind aber nicht gesunken, sondern blieben auf gleichem Niveau.
Das Versprechen von 2008, jede frei werdende Stelle wieder zu besetzen, wurde klar gebrochen. Gefordert werden konkrete Verbesserungen im gesamten Bildungsbereich.

Bevor in der Bürgerschaft die endgültigen Entscheidungen fallen, soll größerer Protest organisiert werden. Überall dort, wo Menschen von den Sparmaßnahmen betroffen sind, soll mobilisiert werden. Dieter Nickel, Geschäftsführer der hiesigen Gewerkschaft Nahung-Genuss-Gaststätten (NGG), gab dazu ein Beispiel. Über die Unterschriftensammlungen in Betrieben mit NGG-Mitgliedern wird schon jetzt die Öffentlichkeit mobilisiert. In der Tat sei das wirksamer, als nur Resolutionen zu verfassen und zu versenden.

Mehrere RederInnen auf der Kundgebung prangerten an, dass die Kürzungspläne hinter verschlossenen Türen geplant und beschlossen wurden, und die eigentlich direkt Betroffenen, nämlich SchülerInnen und ihre LehrerInnen, nicht einbezogen würden.

Die SchülerInnen sind mit ihren Aktionen bei diesem große Bildungsprotest die eigentlich treibende Kraft. Sie haben ihre Ziele formuliert:

  • Mehr Geld für gute Bildung
  • Mehr Demokratie bei den politischen Entscheidungsprozessen
  • Bessere Bildungsbedingungen, zum Beispiel durch eine bessere Qualifizierung der LehrerInnen

Bie dieser Protestversammlung fiel auf, dass dass die Bildungsexperten der Parteien bis auf die LINKE nicht vorhanden waren. Gespräche mit den verantwortlichen Politikern müssten erzwungen werden, so eine Rednerin. Es ist offensichtlich eine breiter werdende Erkenntnis von vielen Menschen, dass sich die regierenden Parteien unglaubwürdig gemacht hätten. Nicht nur in der Bildungspolitik würde ganz anders geredet als gehandelt, so einige der Demonstranten.

Vieles kam auf der Kundgebung zur Sprache. Obwohl an dieser Kundgebung sich nur relativ wenig LehrerInnen beteiligten, standen ihre Arbeitsbedingungen und damit die Lernbedingungen der SchülerInnen im Mittelpunkt: die Arbeitsbedingungen für die LehrerInnen müssten verbessert werden; die jetzt geplante Altersgrenze von 67 würde keine LeherIn erreichen können, da sie vorher gesundheitlich verschlissen wären; LehrerInnen müssten sich viel zu viel mit Berichten und Statistiken rumplagen, anstatt sich auf eine bessere Pädagogik zu konzentrieren; sie würden ihre Freizeit opfern, anstatt sich zu erholen; besonders die Probleme mit nicht-deutschssprachigen Kindern sei mit den vorhandenen Klassenstärken nicht zu lösen; darüber hinaus gäbe es neben dem regulären Deutschunterricht keinen weiteren Förderunterricht und und und. Wo wären z.B. die DaZ- (Deutsch als Zweitsprache)-LehrerInnen?

Der Protest, so viel wurde auf der Aktion klar, soll weitergehen. Die Bremer Bildungsbehörde allerdings hat schon erklärt, dass sie die Kürzungen nicht zurücknehmen werde. Es sei kein Geld vorhanden.  
Erich Kassel / Sönke Hundt

Hier der Flyer der linken Bürgerschaftsfraktion zu den Schulstundenkürzungen: Download