4. März 2011

TAZ embedded!

Das Bremer Friedensforum und der Arbeitskreis Süd-Nord haben sich eines brisanten Themas angenommen. Sie wollen Boykottaktionen gegen israelische Waren - besonders Südfrüchte und Gemüse - durchführen, um so gegen die unmenschliche und völkerrechtswidrige Besatzungspolitik Israels in den palästinensischen Gebieten  zu protestieren. Zudem: Israel muss nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 2010 für den Export bestimmte Waren aus den besetzten Gebieten kennzeichnen, was es aber nicht tut, sondern mit dem Label „Made in Israel“ versieht und so die wahre Herkunft der Exporte verwischt - ein klarer Verstoß gegen das Urteil. Das Beispiel Südafrika hat gezeigt, wie wirkungsvoll solche Proteste sein können. Und der Besatzungsstaat Israel hat inzwischen viel Ähnlichkeit mit dem südafrikanischen Apartheidstaat.

Allerdings: die Aktion ist erst geplant, sie soll am Freitag, den 11. März vor dem Rewe-Supermarkt in der Wachmannstraße stattfinden. Die Aktion wäre eine gute Gelegenheit für Journalisten, mal - auch durchaus kritisch - nachzufragen, was die Bremer Friedensgruppen eigentlich wollen und ob ihre Aktion nicht auch in den Verdacht des Antisemitismus geraten könnte usw. usw. Alles berechtigte Fragen, über die auch im Friedensforum intensiv und kontrovers diskutiert worden ist.

Was hat daraus die TAZ-Redaktion gemacht? Sie hat den Termin verwechselt, die Aktion fälschlich für den 3. März angesetzt und gleich den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bremen, den Grünen-Abgeordneten Dr. Hermann Kuhn, in einem Interview mit dem Titel "Historisch belastet" nach seiner Meinung gefragt. Die stand natürlich schon vor der Aktion fest. Für Kuhn sind solche Aktionen nur ein antisemitischer Spuk. Dass es einen solchen Boykott-Aufruf schon in vielen anderen Ländern gab, dass diesen Aufruf auch viele Juden und Jüdinnen in Israel und anderen Ländern, vor allem in Großbritannien und den USA, unterstützen, dass damit die völkerrechtswidrige Besetzungspolitik der derzeitig sehr rechtsradikalen Regierung Israels angeprangert werden soll, all das soll gleich mit der Antisemitismus-Keule erschlagen werden.

Guter Journalismus ist das nicht. Es war einmal ein ehernes Gesetz im Journalismus: Audiatur et altera pars! Für Nicht-Lateiner: Es muss immer auch der andere Teil gehört werden!. Gute alte TAZ, was ist aus Dir geworden?!
Arn Strohmeyer