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20. Januar 2012

Konfetti, Luftschlangen, Trommeln und Tröten gegen "Exzellenzbegehung" an der Uni Bremen

GW 2-Gebaude der Uni Bremen

Der noch amtierende Rektor der Bremer Uni, Wilfried Müller, ist seit Jahren voll Engagement dabei, die Uni als "Spitzenuniversität", als "Forschungsleuchtturm" mit "Exzellenz-Clustern", "High Performance Areas" und was es sonst noch an schönen Vokabeln aus dem Neudeutsch des Hochschulmarketing gibt, darzustellen. Im März 2011 war es Müller gelungen, mit einem Konzept namens "ambitioniert und agil" die Bremer Uni in die Endrunde des bundesweiten Forschungswettbewerbs zu bringen. Damit ist sie aktuell eine von sieben Unis (die anderen sind HU Berlin, die Unis Bochum, Dresden, Köln, Mainz und Tübingen), die es in die Endrunde des Auswahlverfahrens der "Exzellenzinitiative" geschafft haben. Übersteht die Uni Bremen die Endrunde, winken 50 Millionen Euro.

Am 17. Januar kamen nun 18 Jurorinnen und Juroren zur "Exzellenzbegehung". Sie werden entscheiden, ob die Uni Bremen als Elite-Hochschule in die Förderung kommt oder nicht. Vielen Studierenden gefällt das ganze Marketing-Tamtam nicht besonders. Besonders wird kritisiert, dass einseitig Aktivitäten und finanzielle Mittel der Uni auf den Exzellenz-Wettbewerb konzentriert werden. Es gelang einer Gruppe von etwa 50 Studierenden, mit Trommeln, Tröten, Konfetti und Luftschlangen die Präsentationsveranstaltung mitten in der Rede des Rektors zu "stören" und so etwas Altmodisches wie "Freie Bildung für freie Menschen" und statt Elite-Leuchttürme-Exzellenz-Förderung eine bundesweit solidarische Finanzierung von Forschung und Lehre zu fordern. Herbeieilende Sicherheitskräfte, so der Asta in seiner Pressemitteilung vom 19.01.12, sowie mehrere Anwesende der Delegation für die Exzellenzinitiative versuchten die Studierenden - allerdings erfolglos - an der Aktion zu hindern. Timo Hüther als Asta-Vertreter: "Die Exzellenzinitiative hat das Potential, die Bildungslandschaft zu spalten und den Zugang zur Bildung künstlich zu verengen. Im Sinne eines offenen Bildungssystems ist dies nicht hinzunehmen."

Tatsächlich ist die permanente Rede von Exzellenz, Elite und Wettbewerb eine Folge des Leitbildes der "Universität als Unternehmen", das seinerzeit von der Bertelsmann-Stiftung propagiert und in der Folge von vielen Rektoren und Dekanen begeistert aufgegriffen wurde. Für viele, die sich wissenschaftlichen Idealen in Forschung und Lehre verpflichtet und verbunden fühlen, ist das enorme Marketing-Geräusch mit allen gängigen Vokabeln aus dem Produktmarketing, das dabei erzeugt wird, besonders unangenehm.
Sönke Hundt