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5. Februar 2010

Wegen Stromausfall geschlossen – Schlecker´s Gegenaktion

Die Bremer Aktionsbündnisse mayday und "Wir zahlen nicht für eure Krise" sowie ver.di hatten am 5. Februar zu einer flashmob-Aktion vor der Schlecker-Filiale in der Wätjenstraße aufgerufen. Circa 200 Menschen waren gekommen, um mit ihrem phantasievollen Protest die Masche von Schlecker mit den XL-Märkten zu skandalisieren. 

Nach einer ver.di-Informationen sollen an vielen Standorten in Bremen die kleine Filialen schließen, um in räumlicher Nähe die sogenannten Schlecker XL-Märkte zu eröffnen. Die Beschäftigten in den bisherigen Schlecker-Filialen verlieren nach dem Willen der Konzernleitung dabei ihren Arbeitsplatz, obwohl sie zum großen Teil langjährig in dem Unternehmen beschäftigt sind. Die Dienstleistungsgewerkschaft teilt in einem Flugblatt weiterhin mit, dass die neu angestellten MitarbeiterInnen in den Schlecker-XL-Märkten:

- keine tarifliche Bezahlung haben,
- kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen,
- keine geregelten Arbeitszeiten nachgehen,
- nur noch den gesetzlichen Urlaubsanspruch von 24 Werktagen beziehen,
- nur befristete Arbeitsverträge erhalten und
- ohne Betriebsrat sind, der für vernünftige und gerechte Arbeitsbedingungen sorgt.

Auch die Schwachhauser Niederlassung soll ein XL-Markt werden. Dagegen wollten heute viele BürgerInnen demonstrieren. Am Mittag noch hatten einige BremerInnen beim Jahresempfang der Bundestagsabgeordneten Agnes Alpers schnell ein wenig Fingerfood genossen, um dann - frisch gestärkt – ebenfalls an der Protestkundgebung bei der Schlecker-Filiale in der Schwachhausener Waetjenstraße teilzunehmen.

Doch die Enttäuschung war – zunächst – groß. An der Eingangstür von Schlecker hing ein selbstgebasteltes Schild mit den Worten: ‚Wegen Stromausfall ge- schlossen’. Ungläubiges Staunen bei den Anwesen- den. In allen umliegenden Häusern brannte Licht. Der Strom kam aber ausgerechnet beim Drogeriehändler nur bis zur Fensterscheibe (die Neonlampen in der Vitrine leuchteten). Unmittelbar dahinter, im Verkaufsraum, war alles dunkel. Seltsam, seltsam. Damit niemand einbricht, schließlich war wohl auch die Alarmanlage außer Betrieb, organisierte die Geschäftsleitung schnell noch zwei Sicherheitsmitarbeiter.

Auch mehrere PolizeibeamtInnen waren vor Ort, die unter anderem Video-Aufzeichnungen vornahmen.

Wie soll man da bloß flashmobben, wenn keiner in den Laden reinkommt? Kein Problem, dachten sich die Anwesenden und versammelten sich vor dem Gebäude, um ihren Protest mitzuteilen.

Am offenen Mikrofon berichteten viele DemonstrantInnen von ihren Erfahrungen in der Arbeitswelt. Unter ihnen VertreterInnen von anderen Unternehmen wie mdexx, Mercedes Benz, Karstadt oder dem GHBV. Auch zwei Mitglieder der LINKEN ergriffen das Wort. Harald Gatermann berichtete von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Arbeitsgemeinschaft Beistand und Beratung, wo er Hartz IV-Betroffene berät. Inga Nitz informierte von der Aktuellen Stunde in der Bremischen Bürgerschaft, wo über die Schlecker-Situation debattiert wurde. Die bürgerliche Koalition aus SPD, CDU, FDP und Grüne vergoss dabei unzählbare Krokodilstränen. All diese Parteien haben übrigens jene Hartz-Gesetze mit zu verantworten, die heute dazu beitragen, dass Anton Schlecker seinen MitarbeiterInnen in einer hire and fire-Mentalität teilweise weniger als sieben Euro pro Stunde anbieten kann. 

Auch wenn der Drogerist seine Türen heute geschlossen hielt und die Demo auf die Straße verbannte. Die vom Mayday-Bündnis (hier auch schon einer erster Bericht), dem Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise!" und ver.di sowie mehreren sozialpolitischen Initiativen organisierte Aktion war ein voller Erfolg und wird sicherlich wiederholt. mh

Info: Klicken Sie hier, wenn Sie die Parlamentsrede der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der LINKEN in der Bremischen Bürgerschaft nachlesen möchten.