DIE LINKE. Bremen

Uranmunition vor dem Einsatz

Das Peace-Zeichen aus Blumen zum Gedenken

Der Filmemacher Frieder Wagner bei seiner Rede

Transparent
Die bis heute geleugneten, verschwiegenen, abgestrittenen, bagellisierten und in Wahrheit fürchterlichen Wirkungen der Uranmunition - darüber redete der Filmemacher Frieder Wagner auf dem Marktplatz zum 64. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Am Abend auf der Veranstaltung in der Villa Ichon zeigte er seinen für den WDR produzierten Film "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra."
Uranmunition wird aus den Abfallprodukten aus Atomkraftwerken hergestellt, ist eine hoch effiziente Waffe, die durch Stahl und Beton "wie Butter" hindurchschneidet und im Innern von Panzern, Fahrzeugen, Bunkern und auch mehrstöckigen Gebäuden durch die dann stattfindende Explosion mit 1000 Grad Hitze alles Leben auslöscht. Durch den freiwerdenden Feinstaub hinterlässt die Munition große Strahlenschäden in der Umgebung. Die Halbwertzeit der besonders giftigen Varianten beträgt 5,4 Milliarden Jahre. Im Irak liegen auf den Schlachtfeldern des letzten und vorletzten Krieges nach wie vor die Panzerwracks und dienen den unwissenden Kindern als Abenteuerspielzeug. Die USA lehnen es ab, für die Entsorgung auch nur den kleinsten Finger zu rühren.
Frieder Wagner hat, wie er sagt, im Irak einen "Blick in die Hölle" geworfen: "Ich habe in den Kinderkrankenhäusern von Bagdad und Basra Bilder des Schreckens gesehen, die mich heute noch in meinen Träumen verfolgen... Alle diese Babys starben nach wenigen Stunden oder Tagen. Auf einem Schlachtfeld in der Nähe von Basra, bei Abu Khassib, haben wir Panzerwracks aus dem letzten Golf-Krieg gefunden, da haben wir an den Einschußlöchern, die die Urangeschosse hinterlassen haben, eine Radioaktivität gemessen, die war über das 30.000-fache höher als die normale Umweltstrahlung in der Bundesrepublik. Auf diesen Panzern spielten Kinder, und in diesen Panzern versuchten irakische Männer und Väter sogenanntes Edel- oder Buntmetall auszubauen, um es zu verkaufen und so an etwas Geld zu kommen.!" Kein Wunder also: Am Mutter-Kind-Krankenhaus in Basra sind allein die Mißgeburten seit 1991 um das 20-fache gestiegen.
Wahrscheinlich zuerst eingesetzt und erprobt vom israelischen Militär im Jom-Kippur-Krieg, wird diese besondere Atomwaffe seitdem in allen Kriegen: im Irak, im Kosovo, in Afghanistan, Tschetschenien, im Libanon und im Gazastreifen. Die Gefährlichkeit der Uranmunition ist seit langem bekannt. Hilfe wird den betroffenen Ländern nicht gewährt und auch die eigenen Soldaten der Strahlung schutzlos ausgesetzt. Die Schäden sind grauenhaft.
Frieder Wagner schloss seine Rede mit einer eindringlichen Warnung: "Die Uranmunition und die Folgen sind ein Tabu-thema für die Medien geworden. Ich prognostiziere hier heute in dieser Stelle auf dem Bremer Marktplatz, dass von unseren tausenden eingesetzten Soldaten im Kosovo und in Afghanistan - und das gilt für alle dort stationierten Soldaten - leider sehr viele von der Uranmunition nach Hause kommen werden. Und diese jungen Soldaten werden alle mit ihren Ehefrauen und zukünftigen Ehefrauen Kinder zeugen. Und sie werden, ohne es zu wissen, ihre Kontamination an ihre Kinder und Kindeskinder weitergeben mit all den furchtbaren Folgen von Missbildungen, Immunschwäche und Krebstumoren."
Das Bremer Friedensforum hatte - einer langjährigen Tradition folgend, am 6. August zum Jahrestag der ersten Atombombemabwürfe zu einer Mahnwache auf dem Marktplatz aufgerufen. Ab 12 Uhr kamen immer mehr Menschen mit Blumen, die sie zum Peace-Zeichen auf das Pflaster legten. Eva Böller vom Friedensforum begrüßte die Teilnehmer und stellte das kleine Programm für dieses Gedenkstunde vor. Aline Barthelemy sang politische Lieder aus Frankreich, Italien, der Sowjetunion, Israel, Afghanistan und Deutschland.
Am 7. April 2008 hat die LINKE im Bundestag die Frage nach Lagerung und Einsatz von Uranmunition gestellt und vom Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler die Antwort erhalten, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Verwendung dieser Munition und den zerstörerischen Schäden auf die menschliche Gesundheit nicht gegeben sei.
Am Abend um 20 Uhr zeigte Frieder Wagner seinen für den WDR produzierten Film "Der Arzt und die Kinder von Basra" in der Villa Ichon. Eine intensive Diskussion schloss sich an.
Auf Youtube hier ein Interview mit Frieder Wagner und Ausschnitte aus seinem Film.
Sönke Hundt
Hier eine Pressemitteilung des Netzwerks Friedenskooperative
Pressemitteilung, Bonn, 6. August 2009
Ruf nach Nuklearwaffenkonvention - Bundesregierung gefordert!
Zum Hiroshimatag fordert das Netzwerk Friedenskooperative Bewegung zur Abschaffung der Geißel Atombombe, beginnend mit dem Abzug der etwa 20 noch auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel lagernden Bomben.
Die Friedenskooperative macht die Bundesregierung mit ihrem Beharren auf der "nuklearen Teilhabe" dafür verantwortlich, "dass ein wichtiges Signal an die nuklearen Schwellenländer zum allgemeinen Verzicht auf Nuklearwaffen ausbleibt". "Durch die Verbannung der Atomwaffen von deutschem Boden könnte die Bundesregierung bei Verhandlungen z.B. mit dem Iran wesentlich glaubwürdiger auftreten", betont Netzwerk-Geschäftsführer Manfred Stenner. Zur Bundestagswahl fragen deshalb viele Friedensgruppen unter dem Motto "Ich wähle atomwaffenfrei" die örtlichen Kandidaten nach ihrer Haltung zu den Atombomben in Büchel.
Ziel von Friedensgruppen weltweit ist die baldige vollständige Ächtung der Atomwaffen: "Wir rufen die Staatsoberhäupter dazu auf, schnellstmöglich Verhandlungen in wie im Nichtverbreitungsvertrag und dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs von 1996 festgelegt gutem Glauben aufzunehmen, um eine Nuklearwaffenkonvention für die schrittweise, überprüfbare, unumkehrbare und transparente Beseitigung sämtlicher atomarer Waffen bis 2020 herbeizuführen", heißt es in einem Appell zahlreicher Nobelpreisträger (vgl. www.inesglobal.com).
Auch die weltweite Vereinigung der "Bürgermeister für den Frieden" fordert die verbindliche Vereinbarung eines Zeitplans fr die Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Jahr 2020.
Präsident Obama muss sich nach Ansicht des Friedensnetzwerks nach seiner Prager Vision einer atomwaffenfreien Welt an Taten messen lassen.
So könne z.B. eine substanzielle Reduzierung der Atomwaffenarsenale in den Verhandlungen mit Russland über ein neues START-Abkommen realistisch nur erreicht werden, wenn die USA ihre Raketenabwehr NMD zur Disposition stellten und auf die Stationierung von US- Abwehrsystemen in Polen und Tschechien verzichten.
Mit mehr als 60 Veranstaltungen in der Bundesrepublik erinnern Friedensgruppen an die Atombombenabwrfe der US-Luftwaffe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 und fordern die Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen. Die Termine listet das Netzwerk Friedenskooperative unter www.friedenskooperative.de.
gez. Manfred Stenner
Geschäftsführer des Netzwerk Friedenskooperative
P.S.: Unter www.friedenskooperative.de finden sich neben den Aktionsterminen auch Aufrufe, Redebeiträge und Hintergrundinformationen zu den Hiroshima-/Nagasaki-Tagen.