DIE LINKE. Bremen
Wer schon einmal in einem anderen Stadion bei einem Fussballspiel dabei war, wird sich gewundert haben, dass das die Fans woanders häufiger zur Fahne greifen. Beeindruckend sind die Bilder auf Schalke oder in Dortmund wo es ein wahrliches Fahnenmeer gibt.
In Bremen weilt dagegen selbst im Weserstadion die hanseatische Nüchternheit. Lediglich in der Ostkurve werden Fahnen geschwenkt, dafür aber hoch motiviert und durch Tanz und Gesang unterstützt. Wer im Stadion in der Ostkurve steht, wird unweigerlich von der großartigen Stimmung mitgerissen.
Selbst in dieser nicht so optimalen Saison hat die Ostkurve unsere Mannschaft immer angefeuert.
Jetzt erfährt aus dem Bremer Anzeiger, dass der Verein ernsthaft über ein Fahnenverbot in der Ostkurve nachdenkt. Zu Recht wird das als bundesweit einmalig dargestellt. Es ist ja auch unvorstellbar, dass sich Verantwortliche derart gegen die eigene Fankultur stellen. Skandalös wird es aber erst wenn man über die Begründung nachdenkt: Die Inhaber von Logenplätzen in der Ostkurve fühlen sich durch die Fahnen in ihrer freien Sicht auf das Spielfeld eingeschränkt. Jetzt schlägts dreizehn! Wenn ich in ein Haus einziehe wo in Nachbars Garten ein großer Baum im Garten steht, kann ich mich auch nicht nachher beschweren, dass ich Schatten auf dem Balkon habe. Für die gutverdienenden Logenbesitzer war auch immer klar, dass direkt vor ihnen eine riesige Party steigt.
Der Verein sollte sich Gedanken machen, wer für mehr Stimmung im Stadion sorgt? Die Inhaber der Logenplätze oder vielleicht doch die Fans auf den Stehplätzen in der Ostkurve? Leider spüren die Fans immer mehr, dass der Besuch im Weserstadion immer mehr etwas für Gutverdienende geworden ist. Die Preiserhöhungen zu Beginn der Saison haben viele noch Erinnerung und jetzt soll zugunsten der gutbezahlten Logenplatzinhaber, die Fankultur eingeschränkt werden.
Was kommt als nächstes? Demnächst gehen wir nicht mehr ins Weserstadion sondern in die Targobank-Arena oder den Getränke-Ahlers-Dome?! Da kann Werder Manager Klaus Allofs noch so häufig sagen, dass das nicht geplant ist. An Beluga, dem seit heute ehemaligen Sponsor, sehen wir doch, dass solche Gedankenspiele sogar wirtschaftlich riskant sind. Was bleibt sind die Fans, die monatlich hart arbeiten um sich ein Ticket leisten zu können, damit sie ihren Verein sehen können.
Die Kommerzialisierung des Fussballs muss seine Grenze haben - bei einem Fahnenverbot ist sie längst erreicht.
Christian Wechselbaum