DIE LINKE.  Bremen 


19. Februar 2010

Mehr als elf Millionen Menschen in Deutschland sind arm

Zeugnis der Armut: 14 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt in Armut.

Rund 11,4 Millionen Menschen in Deutschland haben im Jahr 2008 in Armut gelebt. Diese alarmierende Nachricht geht aus einer soeben veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hervor. Dabei sind Kinder und junge Erwachsene besonders betroffen. Höhere Hartz-IV-Sätze reduzierten zwar die Einkommensdefizite, erläuterte Markus Grabka, einer der Autoren der DIW-Studie, als sinnvoller erwiesen sich indes Investitionen in Kinderbetreuung und in verbesserte Erwerbschancen für Alleinerziehende und Familien mit jungen Kindern.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. So hat es die Europäische Kommission festgelegt, die 2010 auch zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ausgerufen hat. In Deutschland sind nach den für 2008 ermittelten Daten etwa 14 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet , das entspricht 11,5 Millionen Menschen. Dabei sind vor allem junge Erwachsene und Haushalte mit Kindern sind betroffen. Unter den 19- bis 25-Jährigen lebte 2008 knapp ein Viertel unterhalb der Armutsschwelle, so die DIW-Studie.

„Insbesondere Familienhaushalte mit mehr als zwei Kindern sind stärker von Armut betroffen“, sagt Joachim Frick, Co-Autor der Studie. Für Familien mit drei Kindern liegt das Risiko bereits bei knapp 22 Prozent, bei vier und mehr Kindern erreicht es 36 Prozent. „Gegenüber 1998 ist das Armutsrisiko kinderreicher Haushalte beträchtlich gestiegen“, so Frick, „und das, obwohl der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und das Elterngeld diese Entwicklung bereits entlastet haben.“ Mit über 40 Prozent weisen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern ebenfalls weit überdurchschnittliche Armutsraten auf.

Obwohl der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze seit 1993 und auch das 2007 eingeführte Elterngeld Wirkung zeigen, bleiben Kinder und Jugendliche einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze kann zwar den akuten Einkommensbedarf der Betroffenen decken, trifft aber nach Auffassung der Wissenschaftler nicht den Kern des Problems. Das gelte auch für die jüngste Anhebung des Kindergelds nach dem Gießkannenprinzip. „Hier mangelt es an Zielgenauigkeit“, so Grabka.

„Finanzielle Unterstützung allein bekämpft zwar Symptome, kuriert aber nicht die Ursachen von Armut“, so die Autoren der DIW-Studie. Sie fordern einen auf die Zielgruppe zugeschnittenen Mix aus finanzieller und nicht-finanzieller Unterstützung. „Investitionen in Betreuungseinrichtungen und in die Verbesserung der Erwerbschancen für Alleinerziehende und Eltern junger Kinder könnten hier effektiver wirken.“

(ms)

Quelle: http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/artikel/mehr-als-elf-millionen-menschen-in-deutschland-sind-arm/