DIE LINKE.  Bremen 


8. Februar 2008

Feudal, feudal, unsere "Schaffer"!

Im Jahre 1358 trat Bremen der Hanse bei und errang Bedeutung als Wirtschaftsmetropole des Nordwestens. Davon geblieben ist noch heute der Name Freie Hansestadt Bremen und die alljährlich am zweiten Freitag im Februar stattfindende Schaffermahlzeit für Reeder, Kaufleute und Kapitäne in der prächtigen Oberen Rathaushalle.

So sind die "Schaffer" seit Jahrhunderten (genau seit 464 Jahren) beim "Schaffermahl" den Weg vom Schütting zum Rathaus geschritten. Ein ehrwürdiges Ritual aus einer Zeit, in der die Kaufleute die Stadt regierten - und das gemeine Volk applaudieren, aber nicht wählen durfte, geschweige denn mitregieren konnte. Der Feudalismus der Bremer Pfeffersäcke. (siehe auch Kaum zu glauben!)

Die Tradition lebt! Man konnte es förmlich spüren, als die "Schaffer" (richtig schöner Name übrigens!) in ihren schwarzen Fräcken und Tuchmänteln vom Schütting quer über den Marktplatz zu "ihrem" Rathaus schritten. Sie schritten überaus würdevoll, die Charaktermasken des Handels-, Industrie-, Banken-, Schiffahrts-, Reederei-, Speditions-, Immobilien-, Medien-, IT-, Spekulations-, Zeitarbeits-, Gesundheits-, Energie- und sonstigen Kapitals, mitsamt den dazugehörigen Zinsen und Renditen. Flankiert wurden sie -  es passte genau! - von einigen wenigen arrivierten Sozialdemokraten und einem leibhaftigen Generalinspekteur der Bundeswehr.

Was die "Schaffer" wohl gedacht haben mögen, als sie durch ein Spalier von Demonstranten aus dem öffentlichen Dienst mußten, die schweigend in ihren Polizei- und Feuerwehruniformen ihre Plakate hochhielten. Ver.di, die Gewerkschaft der Polizei, der Bund deutscher Kriminalbeamter, die GEW und einige andere mehr hatten zu einer großen Protestversammlung aufgerufen. Lesen konnten die Schaffer eine Anzeige im Großformat, die von der Polizei, übrigens in Handschellen, hochgehalten wurde:
"Die Polizistinnen und Polizisten in Bremen und Bremerhaven zeigen an:

Rund 15% weniger Einkommen in den letzten Jahren; letzte Gehaltsampassung 2004 in Höhe von 1%; Streichung des Urlaubsgeldes; massive Kürzung, bzw. Streichung des Weihnachtsgeldes; Kürzung der Pensionen; Verlängerung der Arbeitszeit.

Jetzt verweigert der Senat uns auch noch die versprochene Anpassung unseres Gehalts in bescheidener Höhe von 2,9% zum 1. Januar 2008."

Die Situation und die Stimmung auf dem Marktplatz war echt merkwürdig. Der Sprecher der Polizei hatte vorher ungefähr so gedankt:  "Wir danken den Ordnungshütern dieser Kundgebung, dass sie für die Ordnungshüter hier heute die Ordnung hüten." Demonstranten und Polizei waren eins, sie waren tatsächlich nicht zu unterscheiden. (sh)



 

Quelle: http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/artikel/feudal-feudal-unsere-schaffer/