DIE LINKE.  Bremen 


5. Juli 2008

Ein Maulkorberlass gegen die Verbreitung von Wahrheiten

Schlagzeile aus dem Weserkurier v. 05.07.08

Dass die geplanten Sparmaßnahmen keine Spuren bei der Krankenversorgung hinterlassen, ist unwahrscheinlich. Wenn Stellen gestrichen werden, verschlechtert sich entweder die Qualität der Leistungen oder diese werden gleich ganz reduziert. Bei Patienten heißt das: entweder sie werden schlechter oder gar nicht versorgt. Das ist die einfache Wahrheit. Das wissen auch alle. 

Im Klinikum Nord (Vegesack)
schlugen Mitarbeiter Alarm. Wie "Die Norddeutsche" (die Regionalausgabe des Weserkuriers) vom 04.07.08 auf der ersten Seite berichtete, soll im Klinikum Nord in der Inneren zum 15. Juli die größte von sieben Stationen mit 26 Planbetten geschlossen werden. Folge: Qualitätseinbußen bei der Patientenversorgung. Die Schließung werde - so die Darstellung von ver.di-Vertrauensmann Rehder - eine tendenzielle Überbelegung der verbeibenden internistischen Stationen zur Folge haben.

In der Prof. Hess-Kinderklinik (Klinikum Bremen-Mitte)
verfassten Ärztinnen, Ärzte und Pflegende aus der Prof. Hess-Kinderklinik mit einer Unterschriftenliste von über zwei Din-A4-Seiten ein Protestschreiben - und brachten es an die Öffentlichkeit. Die Folge der geplanten Sparmaßnahmen könnte sein, dass aus Platzmangel Eltern nicht mehr bei ihren Kindern übernachten könnten und Kinder deshalb ans Bett gefesselt werden müßten.

In der Urologischen Klinik (Klinikum Bremen-Mitte)
hatten sich sich Ärzte gegen die faktische "Teilschließung" einer Station ausgesprochen. Wir berichteten.

Das alles ist natürlich mehr als peinlich für den neuen verantwortlichen Gesundheit-Nord-Geschäftsführer Diethelm Hansen, der großspurig verkündet hat, rd. 1200 Stellen in den vier kommunalen Bremer Kliniken abzubauen. Der Rationalisierungs-Geschäftsführer reagiert in dieser Lage typisch.

Erstens: er weist die Kritik als unzutreffen zurück. Und er weiß, dass ihm dieses Dementi keiner glaubt. "Größte Verärgerung" habe er über diese Berichte empfunden. Er fordert eine "realistische Einschätzung statt krasser Fehlinterpretation". Die Kritik wäre unzutreffend. (Weserkurier v. 05.07.08)
Zweitens: er lässt auch den Direktor der Prof. Hess-Kinderklinik und Mitglieder der ärztlichen Geschäftsführer im Klinikum Mitte, Hans-Iko Huppertz, dementieren: "Eine Fixierung von Kindern wird es in meiner Klinik nicht geben"; und selbstverständlich werde es auch weiterhin möglich sein, dass Eltern bei ihren Kindern übernachten. Darüberhinaus sei es eine haltlose Behauptung, dass von den Sparmaßnahmen gerade Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen besonders betroffen seien. (Weserkurier v. 05.07.08) Wer ist hier glaubwürdiger? Der (weisungsabhängige) Direktor, der die Maßnahmen mit-verantwortet,  oder die direkt betroffenen Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger, die darunter leiden? Die Kinder als Patienten können sich ja nicht äußern!

Drittens: Hansen verhängt ab sofort einen Maulkorb. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kliniken dürfen seit kurzem "nur noch in Absprache mit der Pressestelle der Gesundheit Nord Auskünfte an die Medien erteilen." (Die Norddeutschewk v. 03.07.08) Und, so kann man annehmen, Hansen wird jeden mit disziplinarischen Maßnahmen bedrohen, der es wagen sollte, gegen diesen Maulkorberlaß zu verstoßen.
Sönke Hundt

Quelle: http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/artikel/ein-maulkorberlass-gegen-die-verbreitung-von-wahrheiten/