DIE LINKE. Bremen
Entlassungen bei Inbev geplant: 65 Arbeitsplätze in Bremen und 90 Arbeitsplätze in Hannover bedroht
Als seinerzeit - 2001 - Beck & Co für 3,5 Mrd. DM an die belgische Interbrew verkauft wurde, waren viele der Kommanditisten und ihre Familien in Bremen und umzu freudig überrascht über den warmen Geldregen, der auf sie niederging. Der Preis betrug damals das Dreifache der auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen Buchwerte (also der Summe der Gebäude, Anlagen, Vorräte, Beteiligungen, Rechte, Forderungen und Bankguthaben usw.) Was brachte den enormen Mehrwert damals? Es war die international renommierte und verbreitete Marke "Beck's", die dem Käufer so viel wert war.
Dann fusionierte "Interbrew" mit der brasilianischen "Ambev" zu "Inbev". Im Juli 2008 übernahm "Inbev" die amerikanische Brauerei "Anheuser-Busch" für knapp 50 Mrd US-Dollar und firmierte wieder neu, nämlich jetzt "Anheuser Busch-Inbev". Am Kaufpreis hatte sich offenbar Inbev etwas verschluckt, so dass beschlossen wurde, zur Finanzierung dieser Milliarden das Deutschland-Geschäft von Inbev zum Verkauf anzubieten. Benötigt würden kurzfristig 23 Mrd. Euro. Die Verkaufsverhandlungen mit dem Oetker-Konzern sind nun (nach einer Meldung von Radio Bremen vom 27.01.09) offenbar gescheitert, wobei man über die Gründe nichts sagen möchte.
Seit einiger Zeit schon verstärkt die "Mutter" Inbev den Druck auf die ihr gehörenden Brauereien. War Beck & Co. früher in Bremen bekannt als ein sehr erfolgreiches marketing-orientiertes Unternehmen mit wohlschmeckenden Produkten, hohen Erträgen, relativ hohen Löhnen, relativ hohen Sozialleistungen und langen Betriebszugehörigkeiten der Mitarbeiter, herrscht jetzt der reine Spar- und Rationalisierungszwang. Das gefällt auch dem Management nicht: Anfang 2007 gab der fünfte Deutschland-Chef innerhalb von fünf Jahren auf, es kündigten der Marketing-Direktor und der Leiter Öffentlichkeitsarbeit. Ihre Begründung: Differenzen mit der Zentrale im belgischen Leuven, zu wenig Eigenverantwortung und insgesamt zu hoher Renditedruck. (Informationen aus W&V v. 23.10.08)
Nun kommt, was kommen musste. Es geht an die Personalkosten und an die Arbeitsplätze. Wie Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Bremen-Weser-Elbe in einer Presseerklärung vom 28.01.09 mitteilt, plant Inbev mit dem Projekt "Mothball" (Mottenkugel) das "Downsizing" der Brauereien in Bremen und Hannover. Geplant sind hier 90 Entlassungen in Hannover, davon 75 ab Ende April. In Bremen sollen ab Ende August weitere 65 Beschäftigte entlassen werden. Vorgesehen sind in den Plänen des Managements auch "alternative Kommunikationsstrategien" für den Fall, dass diese Vorhaben vor der eigentlich geplanten Bekanntgabe am 2. Februar öffentlich werden.
Wie heißt es im Fusions--Beratungs-Manager-Deutsch in einem solchen Fall? "Die Braut soll schön gemacht werden", damit - auch wenn Oetker jetzt nicht mehr kaufen will - ein anderer Bräutigam angelockt wird.
Sönke Hundt