DIE LINKE.  Bremen 


1. Mai 2008

1. Mai 2008

Wie es schon seit mehreren Jahren Tradition ist, hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund mit seinen Einzelgewerkschaften wieder zur Mai-Demonstration - vom Osterdeich bis zur Domsheide - aufgerufen. Der Demonstrationszug war größer als im letzten Jahr mit vielen Gruppen und Initiativen. Die Stimmung war ausgesprochen gut, das Wetter auch, es gab viel Musik, dafür weniger Sprechchöre. Auf der Domsheide waren viele Stände bereit, den Hunger und den Durst zu stillen.

Helga Ziegert als DGB-Regionsvorsitzende und Herbert Grimberg als Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft NGG übten wie erwartet scharfe Kritik an den sozialpolitischen Gemeinheiten sowohl der Schröder-Fischer als auch an der Merkel-Beck-Regierung. Die besonderen Probleme des Landes Bremen wurden selbstverständlich nicht ausgespart.

"Vom wirtschaftlichen Aufschwung" so Helga Ziegert, "von dem ja nun ständig die Rede ist, müssen endlich auch die Beschäftigten, die Arbeiter, Angestellten, die Beamten profitieren, und nicht nur die Unternehmer und Manager, die jetzt schon wieder vor überhöhten Lohnforderungen warnen.  Wir lassen uns nicht mehr mit mageren Lohnerhöhungen abspeisen. Das haben uns die Kollegen aus dem öffentlichen Dienst, aus der Stahlindustrie, aus der Chemieindustrie und jetzt die Kollegen aus der deutschen Post vorgemacht, die mit ihrer konsequenten Streikddrohung und ihrer großen Streikbereitschaft einen sehr guten Abschluß erzielt haben."

Helga Ziegert ging auch ausführlich auf den 1. und 2. Mai 1933, also vor jetzt 75 Jahren, ein. Damals wurde das Volkshaus von den Nazis umstellt, besetzt und 30 Vorsitzende und Sekretäre der Gewerkschaften in sogenannte Schutzhaft genommen. "Zuvor allerdings, und auch das sollten wir nicht vergessen, hatte auch die Bremer Gewerkschaftsführung zur Teilnahme an der Kundgebung der Nazis zum 'Tag der nationalen Arbeit aufgerufen. Wohl in der trügerischen Hoffnung, damit die Gewerkschaften vor der Zerschlagung retten zu können. Und das, obwohl schon am 18. April ein SA-Sturm gegen das Volkshaus durchgeführt und fünf Gewerkschaftssekretäre verhaftet hatte. Am 2. Mai 1933 kam dann für alle endgültig das böse Erwachen. Zielstrebig und gründlich zerschlug das NS-Regime die Arbeiterbewegung. Für freie, unabhängige, der Demokratie verpflichtete Gewerkschaften war im NS-Staat kein Platz."

Herbert Grimberg ging unter anderem ausführlich und großer Empörung auf die vom Bundespräsdidenten mal wieder aufgegriffenen Gegensatz ein, der angeblich in der Gesellschaft zwischen den Generationen immer schärfer würde. Vieles wäre schon reichlich komisch in der öffentlichen Diskussion. "Da werden plötzlich Menschen, die malochen, zu Besitzern. Zu Besitzern von Arbeitsplätzen. Aber ein Widerspruch, der darf nicht diskutiert werden: der zwischen arm und reich in dieser Republik! Der Widerspruch, der von Tag zu Tag stärker wird... Nein, das ist dann eine Neiddebatte. Und die dürfen wir nicht führen." Auch die Rente mit 67 war Thema. Und dass von der Bundesbank schon 68,5 vorgeschlagen würde. Warum, fragte Herbert Grimberg, nicht erst mit 90 in Rente gehen. Es wäre schon gespenstisch, was sich diese angeblichen Sachverständigen, "von denen noch keiner einen Drei-Schicht-Betrieb von innen gesehen hat, geschweige denn weiß, was die Belastungen mit Staub, Hitze, Nässe und Kälte für Kolleginnen und Kollegen bedeutet."

Es viel auf, dass der NGG-Vertreter in seiner Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen einen sehr viel radikaleren Ton anschlug als die DGB-Vorsitzende. Ob und an welchen Stellen der auch anwesende Bürgermeister Jens Böhrnsen Beifall spendete, konnte nicht im einzelnen beobachtet werden. Wahrscheinlich waren den vielen Demonstranten das Gespräch und das Durstlöschen zusammen Kolleginnen, Kollegen, Genossinnen und Genossen, die man evtl. schon lange nicht mehr gesehen hatte, sowieso viel wichtiger als die Reden der Offziellen. (sh)

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Quelle: http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/artikel/1-mai-2008/