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31. Mai 2010

Antischleife des Tages: Büroklammer unbenannt

Joachim "Bommel" Fischer, Aktionskünstler

Monica Melloh schafft es immer wieder in die Medien. Die gelernte Krankenschwester führt in Oldenburg ein Geschäft für Bundeswehrbedarf (NATO-Shop Nord) und versucht, per Internet Tiefziehholster, Flecktarn-T-Shirts, Moskitonetze und Messer an Soldaten, Reservisten und Outdoorfreaks zu verscherbeln. Seit 2007 hat sie auch »Gelbe Schleifen« im Sortiment. Sie sollen Solidarität mit der kämpfenden Truppe symbolisieren. Die »Gelbe Schleife« für das Revers mit Federklemmsicherung (Pin »Kreuz der Solidarität«) gibt’s für 2,95 Euro (zuzüglich Versandkosten), ab 100 Schleifen mit Rabatt. Auch Autoaufkleber und Armbändchen (»Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Immer eine gute Heimkehr«, 4,95 Euro) hat die Unternehmerin im Angebot. Weil sie vom Kriegszubehörverkauf lebt, zielt Mellohs Ansteckaktion nicht auf ein Ende des Afghanistan-Einsatzes, sondern auf Akzeptanzsteigerung. Und so haben Presseberichten zufolge auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der neue Wehrbeauftragte der Bundeswehr Hellmut Königshaus (FDP) ihr Gelb schon getragen.

Joachim »Bommel« Fischer, Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BKK) und in der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG/VK) hält jetzt dagegen. Etwa Zweidrittel der deutschen Bevölkerung lehnten Umfragen zufolge den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ab. »Doch nur wenige Menschen zeigen öffentlich, daß sie die Truppen dort am liebsten abziehen möchten«, beklagt der Bremer Künstler. Der 49jährige ruft deshalb dazu auf, eine »Büroklammer für den Frieden« als Zeichen gegen den Krieg am Hindukusch zu tragen. »Das kostet praktisch nichts und ist leicht umsetzbar«, erläutert Fischer die Aktion. »Ich werde immer wieder darauf angesprochen, was das kleine Drahtstück an meiner Jacke bedeuten soll. Das ist ein guter Anknüpfungspunkt für Gespräche.«

Das Gute: Ein Hunderterpack farbige Büroklammern gibt’s schon für unter zwei Euro. Da sind immer auch ein paar in Gelb drin.

Quelle (mit freundlicher Genehmigung): Junge Welt v. 29.05.10