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28. Januar 2010

Verwirrung um Weserkurier-Artikel. Scherf vermittelte zwischen Juden und Moslems schon vor zehn Monaten

Weserkurier v. 26. Oktober 2009 im Lokalteil

Merkwürdiges und Widersprüchliches konnte man jetzt im Weser-Kurier lesen. Da gab es am 26.1. einen Seitenaufmacher auf der vierten Lokalseite. Da hieß es gleich vierspaltig: „Juden und Muslime wieder an einem Tisch. Scherf vermittelte zwischen Gemeinde und Schura/ Protest gegen Gaza-Krieg führte zum Streit“. Zur Erinnerung: Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Elvira Noa, die auch zugleich Integrationsbeauftragte im Rathaus ist, hatte die von Muslimen organisierte, aber auch von vielen Nicht-Muslimen besuchten Demonstrationen gegen Israels Krieg in Gaza im Januar 2009 als „antisemitisch“ verurteilt. Das hatten die Muslime als beleidigend empfunden und den Gesprächsfaden abreißen lassen. 

Nun meldete der WK in dem großen Artikel (mit drei Bildern), dass man trotz aller Meinungsverschiedenheiten wieder miteinander rede. Henning Scherfs Vermittlung habe das zustande gebracht. Schön, denkt man, wenn es denn so ist. Leider ist es gar nicht so oder – anders gesagt – es ist eigentlich schon seit zehn Monaten so. Denn einen Tag nach der Veröffentlichung im WK meldete sich einer der Hauptbeteiligten zu Wort: der frühere Schura-Vorsitzende Mehmet Kilinc, der auch in dem WK-Artikel zitiert und sogar im Bild gezeigt wird. Kilinc völlig überrascht: „Von dem Artikel wusste ich gar nichts. Mit mir hat keiner gesprochen.“ Und weiter: „Es hat in der letzten Zeit definitiv kein Gespräch zwischen der Schura, der Jüdischen Gemeinde und Henning Scherf gegeben. Es gab ein Gespräch, das hat aber am 5. April 2009 stattgefunden. In der Zwischenzeit hat sich in der Sache nichts Neues getan.“ Kilinc legte zum Beweis das Protokoll des damaligen Gesprächs vor. Fotos zeigen Henning Scherf und die Vorstände der Jüdischen Gemeinde und der Schura. Mehmet Kilinc ist auch dabei. Bei diesem Treffen wurde in der Tat vereinbart, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Der WK-Artikel gibt auch ziemlich genau wieder, was in diesem Protokoll steht.

Der Weser-Kurier hat also ganz aktuell über ein Ereignis berichtet, das schon fast zehn Monate zurückliegt. Da darf man doch fragen: Was soll diese Information zur völlig falschen Zeit? Wollte sich da irgendjemand auf Kosten anderer in den Vordergrund rücken? Inzwischen hieß es aus der Reaktion, Jüdische Gemeinde und Schura hätten sich in letzter Zeit auf das Protokoll geeinigt, das über das Gespräch am 5. April abgefasst worden war. Das wäre dann in der Tat neu gewesen, stand in dem WK-Artikel aber nicht drin. (korrigierte Fassung)
Arn Strohmeyer