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22. Oktober 2009

Warnstreik bei mdexx mit großer Beteiligung und Solidarität

Herbert Strosetzky, Betriebsratsvorsitzender

Peter Stutz, Sekretär IG Metall

Dieter Reinken, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Bremen

im Warnstreik

Rund 300 Beschäftigte des Bremer Elektrotechnikunternehmens »mdexx«, haben am Donnerstag mit einem Warnstreik gegen Stellenstreichungs- und Verlagerungspläne der Unternehmensführung protestiert. Kollegen anderer Bremer Betriebe, so Mercedes, von den Lloyd-Motoren-Werken, Airbus, dem Stahlwerk von Arcelor-Mittal, von Gestra, Atlas-Elektronik, Siemens-Windpower u.a., erklärten ihre Solidarität. »Wir haben einen Unternehmer, der sehr entschlossen seine Verlagerungs- und Stillegungsabsichten betreibt«, betonte Dieter Reinken, erster Bevollmächtigter der IG Metall Bremen. »Wir können nur darauf setzen, daß wir ihnen da reingrätschen, daß wir ihnen Sand ins Getriebe schmeißen.«

Die mdexx Megatronic Devices GmbH & Co KG gehörte bis 2008 zum Siemens-Konzern, wurde dann ausgegliedert und kurz darauf an Finanzinvestoren verkauft. Die neuen Eigentümer legten ein Konzept vor, das betriebsbedingte Kündigungen für rund 225 von insgesamt 500 Beschäftigten und die Verlagerung eines Teils der Produktion nach Tschechien vorsah. Falls der Betriebsrat nicht zustimme, würden Insolvenz und die komplette Schließung des Bremer Standorts drohen. 

Der Betriebsrat organisierte daraufhin mit der IG Metall und eigenen Sachverständigen eine zweitägige Klausur zur Beratung. Dabei wurde schnell klar, daß der Standort mit einem alternativen Konzept reorganisiert und nach moderaten Kapazitätsanpassungen wirtschaftlich weitergeführt werden könnte. 

Da diese Vorschläge vom Management ohne jede Diskussion abgelehnt wurden, verlangte der Betriebsrat, wie im Betriebsverfassungsgesetz vorgesehen, die Bildung einer Einigungsstelle. Beide Seiten haben sich schon auf den Vorsitzenden geeinigt, nämlich den in Bremen bekannten Arbeitsrechtler und jetzigen stellvertretenden Direktor des Arbeitsgerichts Bremen-Bremerhaven, Michael Grauvogel. Die Mitglieder der Einigungsstelle werden schon am kommenden Montag im Werk zum ersten Mal zusammentreten. Und sie werden – so ist zu vermuten – lautstark von der Belegschaft empfangen werden. 

Auch Peter Strosetzky, Betriebsratsvorsitzender von mdexx, gab sich am Donnerstag entschlossen: »Wir sind richtig verarscht worden. Alle merken jetzt, daß die Schließungs- und Verlagerungspläne von Siemens nach BenQ nicht aufgehört haben. Das wird nur nach einer etwas anderen Masche fortgeführt. Es heißt immer: ausgliedern, verkaufen, dichtmachen ... Wir werden uns nicht einfach abschlachten lassen. Wir werden hier am Standort für unsere Arbeitsplätze kämpfen.«
Sönke Hundt

Der Artikel ist unter dem Titel "Erst ausgliedern, dann dichtmachen" auch in der Jungen Welt v. 24.10.09 erschienen.

Video auf youtube "22. Oktober 2009: Warnstreik bei mdexx" hier