Zurück zur Startseite
24. Mai 2009

Kirchentag in Bremen - Nicht für Arme

Arme müssen leider draußen bleiben!

Von Anke Krohne. Im Vorfeld des Kirchentages bekam man auf Anfragen nach Freikarten für Hartz-IV-Empfänger nur die Antwort, daß diese Menschen die ermäßigten Karten kaufen könnten. Hallo? Das wären 14 % des Nettoeinkommens für die Dauerkarte und fast 5 % des Nettoeinkommens für die Tageskarte! Freikarten würde es nicht geben. Vielen Dank auch, Arme müssen draußen bleiben.

Dann am Donnerstag auf der Pressekonferenz die Ankündigung: Hartz-IV-Empfänger haben freien Eintritt. Allerdings müssen die sich vorher in der Bremer Innenstadt eine Berechtigungkarte abholen. Hallo? Erst mal durch die halbe Stadt fahren, dann Schlange stehen und vielleicht eine Freikarte bekommen? Dann bleibt keine Zeit mehr für Veranstaltungen. Im Vorfeld des Kirchentages wäre das machbar gewesen - nun kam das Angebot zu spät.

Und der Gipfel am Samstag: Die Kirchentagspräsidentin läßt verlauten, daß "wohl nicht allen bekannt gewesen sei, daß Hartz-IV-Empfänger freien Eintritt bekommen könnten". Ja wie denn auch? Die Seite mit den Eintrittspreisen wurde schnell aus dem Netz genommen, wir haben sie aber noch auf dem Rechner. Und da steht glasklar: "ALG-II-Bezieherinnen und -Bezieher, Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger" können die Jugendkarte oder ermäßigte Dauerkarte bekommen. Da kennt die Dame wohl ihre eigenen Preise nicht.

Jedenfalls können Hartz-IV-Betroffene nun ihre Karte wieder gegen Geld umtauschen. Aber nur in Bremen. Das bedeutet wieder eine Fahrt hin und zurück in die Innenstadt, wenn man nicht gerade im Umkreis wohnt. Und was heißt das für arme Kartenbesitzer außerhalb Bremens? Pech gehabt?

Der Kirchentag 2009 in Bremen war eine Veranstaltung für privilegierte Christen. Arme Christen mußten draußen bleiben. Damit hat der evangelische Kirchentag bewiesen, wie christlich und sozial diese Veranstaltung ist.

siehe auch hier: Links-im-Norden