
Der Demonstrationszug

Manfred Sohn und Willi van Ooyen, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei aus dem hessischen und niedersächsischen Landtag, demonstrierten mit

Transparent

Eugen Drewermann bei der Abschlusskundgebung auf dem Hillmannplatz
Ein Kirchenchor sang noch fromme Lieder, als sich die Teilnehmer für die Demonstration "Für eine deutsche Friedenspolitik" auf dem Ziegenmarkt im Steintor sammelten. Ekkehard Lentz vom Bremer Friedensforum begrüßte die Teilnehmer. Sabine Klein vom "Bremer Bündnis gegen Frontex" gab eine kurzes Statement ab über die jüngeren Entwicklungen auf dem Gebiet der Grenzsicherheit und der Flüchtlingsabwehr. Und das sehr viel von dieser "Sicherheitstechnik" von Bremer Unternehmen entwickelt und produziert wird.
Zwei Fraktionsvorsitzende der Linkspartei demonstrierten mit, nämlich Willi van Ooyen von der Linksfraktion im hessischen und Manfred Sohn vom niedersächsischen Landtag. Beide waren auf Veranstaltungen während des Kirchentages zugegen und benutzten die Gelegenheit zur Teilnahme. Manfred Sohn warb auf einem mitgebrachten Flugblatt für eine Aktion zum 65. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima: ab dem 6. August soll eine Friedensfahne von der Nordspitze der Insel Sylt bis zur Zugspitze getragen werden.
Der Demonstrationszug setzte sich dann in Richtung Hillmannplatz in Bewegung. Wie immer kamen immer mehr Menschen und Gruppen mit ihren Transparenten während des Weges dazu. Auf dem Hillmannplatz versammelten sich dann ca. 1000 Teilnehmer. Barbara Höller begrüßte den Hauptredner des Tages: den Psychologen und Theologen Eugen Drewermann.
In einer eindringlichen Rede schilderte Drewermann die Schrecken der letzten Kriege und die Methoden der öffentlichen Meinungsmache, durch die die deutsche Bevölkerung darauf vorbereitet und über die wahren Gründe permanent belogen worden wäre. Bewegend auch seine psychologischen Überlegungen: gerade durch die High-Tech-Methoden der digitalen Steuerung von todbringenden und ferngelenkten Waffen werde die Hemmschwelle, die an sich jeder Mensch hat, bevor er Gewalt anwendet, immer mehr reduziert. Der militärische Drill und die ideologische Gehirnwäsche ("Krieg gegen den Terror, Krieg gegen das Böse") tun ihr Übriges, um die Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung, wie nie zuvor, schreckliche Wahrheit werden zu lassen.
Viele Kirchentagsteilnehmer blieben während der Kundgeben stehen und hörten Drewermann, den viele von seinen kirchenkritischen Büchern her kennen mochten, aufmerksam zu. Dass auf dem Kirchentag von den Organisatoren der Militärseelsorge ein viel größerer Platz eingeräumt worden war als der Friedenspolitik - das war für den Theologen Drewermann eine besonders beklagenswerte Tatsache. (sh)