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26. Juni 2009

Lürssenwerft: Konjunkturprogramm für die Aufrüstung

Lürssen-Werft in Lemwerder

Friedrich Lürssen fordert für seine Werften ein neues Konjunkturprogramm für den Krieg! Als Vorsitzender des Ausschusses Verteidigungswirtschaft im BDI will der Bremer Werftenchef neue Märkte für die deutsche und europäische Rüstungsindustrie erobern. Und selbstverständlich hat er dabei auch sein eigenes Unternehmen fest im Blick. Mit Hilfe der Nato will er sogar in den Rüstungsmarkt der USA eindringen!

Laut Sipri (dem Stockholm International Peace Research Institute) gaben die USA allein 2008 mehr als 600 Milliarden Dollar für ihre Streitkräfte aus, was gut 40 Prozent der weltweiten Militärausgaben ausmacht. Diese belaufen sich auf unvorstellbare 1.464 Milliarden US-Dollar! Allein davon könnte die gesamte Weltbevölkerung wahrscheinlich über einen langen Zeitraum ausreichend mit Nahrung, Wasser und ökologischer Energie versorgt werden. Die Bundesrepublik Deutschland ist laut Sipri drittgrößter Waffenexporteur und verschwendete bereits von 2002 bis 2006 für Rüstung umgerechnet 9,2 Milliarden Dollar. Aber das reicht Herrn Lürssen offensichtlich bei Weitem noch nicht!

Die Forderungen von Friedrich Lürssen sind Kriegstreiberei pur: Berlin müsse seine Rüstungswirtschaft kräftig fördern, um ihr eine günstige Ausgangsposition in der globalen Konkurrenz zu verschaffen. Schließlich müssten die Staatsmittel für die wehrtechnische Forschung deutlich aufgestockt werden, um eine weltweite technologische Führerschaft zu behaupten. Wolle die Bundesrepublik in der Produktion von Kriegsgerät mittel- und langfristig handlungsfähig sein, dann müsse sie ihr Gewicht in der Branche umfassend stärken.

Die Merkel-Regierung steht hier längst Gewehr bei Fuß! Das Rüstungsministerium verlangt unter anderem 2,9 Milliarden Euro allein für den Eurofighter, 38 Millionen Euro für ein Seefuchs-Minenabwehrsystem und über eine halbe Milliarde für den Bau der neuen Drohne Euro-Hawk, einem Gemeinschaftsprojekt von EADS und der US-Firma Northrop Grumman. Außerdem verlangt Lürssen verstärkt die Unterwerfung von Teilen der Zivilwirtschaft unter das Primat des Militärs. Zivil-militärische Zusammenarbeit ist zwar nicht umwerfend neu, aber erschreckend ist das hohe Tempo, das hier neuerdings vorgelegt werden soll. Beteiligt ist schon jetzt die Deutsche Post, deren Tochter DHL Transportleistungen für die Streitkräfte durchführt. Unter Führung der Commerzbank haben deutsche Konzerne den "Celler Trialog", eine Serie jährlicher Konferenzen ins Leben gerufen, die der engen Kooperation von Bundeswehr und Wirtschaft dienen soll. Der dritte "Celler Trialog" ist schon für Anfang Juli angekündigt!

Der Haushaltsausschuss des Bundestages wird eine Vielzahl neuer Aufrüstungsprojekte für die Bundeswehr beschließen. Davon soll wie immer die breite Öffentlichkeit nichts erfahren. Es werden also wieder einmal Riesensummen in die schwarzen Löcher der imperialistischen Kriegsvorbereitungen geschmissen! Wehren wir uns dagegen zum Beispiel mit Mahnaktionen vor Lürssens Kriegsschiffsladen, mit Friedensappellen an den Senat und mit Protestbriefen an die Bremer Abgeordneten des Bundestages!
Wieland von Hodenberg, Bremer Friedensforum

Quellen für die Angaben im Text:


Die Lürssen Gruppe mit Werften in Lemwerder, Bardenfleeth, Wilhelmshaven und Rendsburg ist spezialisiert auf den Neubau und die Reparatur von Schnellbooten, Korvetten und Versorgungsschiffen für die Marine. Lürssen verfügt insgesamt über vier Werften. Speziell die Werft in Lemwerder ist spezialisiert auf große Yachten und den Marineschiffbau. In Vegesack wurde der Marineschiffbau der Bremer Vulkan Werft integriert.

Die Lürssen-Werft ist außerdem bekannt für den Bau von Megayachten für Megareiche. Zu den Kunden der Werft im Megayacht-Segment gehört unter anderem Oracle-Chef Larry Ellison, der bei Lürssen seine „Rising Sun“ in Auftrag gab. Diskretion ist diesen Kunden der Bremer Werft äußerst wichtig und wird bei Lürssen dementsprechend groß geschrieben. So werden keine Fotos der Yachten veröffentlicht, wenn es der Kunde nicht wünscht. Auch gelangen keine Einzelheiten über die Kunden oder die Spezifikationen der Yachten an die Öffentlichkeit. (Quelle: Wikipedia)