Ca. 3000 beteiligten sich am 17. Juni am Bildungsstreik und an der großen Demonstration. Bei blauem Himmel und Sonnenschein waren die Jugendlichen, unterstützt von vielen LehrerInnen und Eltern, aus der ganzen Stadt zum Bahnhofsplatz gekommen. Es waren wohl insgesamt etwas weniger als noch im November 2008. Etwas enttäuschend war auch die Beteiligung aus der Uni und den Hochschulen. Viele Reden, Transparente, Plakate, Sprechchöre, Trillerpfeifen machten den Protest gegen die Missstände im deutschen Bildungswesen deutlich.
Die Demonstration führte vom Bahnhofsplatz zunächst zum Rembertiring, wo man die Schulsenatorin sprechen wollte. Die Türen aber blieben geschlossen und wurden von der Polizei geschützt. Die Pressesprecherin meinte in Buten & Binnen etwas sehr überheblich, dass Schüler und Schülerinnen überhaupt doch keinen Grund mehr zum Protest hätten. Heute würde doch das neue Schulgesetz, das die wichtigsten Forderungen erfüllen würde, in der Bürgeschaft verabschiedet.
Das sahen die Demonstranten anders. Die Schülerinnen und Schüler forderten mehr Geld für Bildung, kleine Klassen, aktuelles Lehrmaterial, mehr Lehrinnen und Lehrer und - vor allem - die Gesamtschule für alle. Die Studierenden demonstrierten für eine bessere Ausstattung der Uni, gegen die Hierarchisierung des Studium in Bachelor und Master sowie gegen die Abschaffung der Mittagspause. Auf der zentralen Kundgebung auf dem Marktplatz sollte den gleichzeitig tagenden Bürgeschaftsabgeordneten die Argumente der Jugendlichen näher gebracht werden. Lediglich die Abgeordneten der LINKEN unterstützten die Forderungen und äußerten ihre große Sympathie mit dem Protest.
Es war das erste Mal seit Jahren, dass eine solche Bildungsdemonstration bundesweit organisiert werden konnte. So gingen wohl nach Angaben der Veranstalter rd. 240.000 in 85 deutschen Städten auf die Straße. Der Protest wurde breit unterstützt. Eine überregionale Vernetzung von SchülerInnen, Auszubildende, Studierende, Gewerkschaften, sozialen Bewegungen, Eltern, Lehrer und DIE LINKE ist wohl das erste Mal in dieser Breite und Intensität gelungen. Die Proteste sollen in vielen Formen weitergehen.
Zurück nach Bremen: In der Bürgerschaft war die große schwarz-rot-grüne Mehrheit mit sich sehr zufrieden und verabschiedete - während draußen die Demonstranten ihren Protest lautstark artikulierten - in zweiter Lesung das neue Schulgesetz. Damit sind die Essentials des konservativen und wohlhabenden Bürgertums ("Bremer Schulkonsens") gesichert: nach einer gemeinsamen Grundschule die Trennung in Gymnasien und Oberschulen. DIE LINKEN und die FDP - natürlich aus unterschiedlichen Gründen- argumentierten und stimmten gegen den Gesetzentwurf. (sh)
das bildungs-gen-flugblatt presseerklärung der linksfraktion rede von kristina vogt auf dem marktplatz. bildungsstreik2009