Der Warnstreik bei der Beck's-Brauerei in Bremen am vergangenen Sonntagabend brachte wahrscheinlich die Wende. Die komplette Nachtschicht (200 Kolleginnen und Kollegen) hatte die Arbeit für eine Stunde ruhen lassen. Nach sechs Verhandlungstagen konnte endlich ein Moratorium abgeschlossen werden, das betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31.12.2009 ausschließt. Die Geschäftsführung von InBev wurde außerdem verpflichtet, bis zum 2. Juli 2009 mit der Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten (NGG) einen Sozialtarifvertrag abzuschließen, in dem der Personalabbau entweder ganz vermieden oder sozialverträglich durch Abfindungen, Teilzeitarbeit und andere Maßnahmen sozialverträglich gestaltet werden kann.
Oliver von Oehsen, Pressesprecher der Brauerei in Bremen, meinte zum Weserkurier (v. 28.04.09), dass es der erste Warnstreik überhaupt in der Unternehmensgeschichte der Brauerei Beck & Co gewesen wäre.
Claus-Harald Güster, stellvertretender NGG-Vorsitzender und Verhandlungsführer: "Dies ist ein großen Erfolg, der zurückzuführen ist auf den Zusammenhalt der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an allen Standorten – von Bremen, Hannover über Wernigerode und Issum bis München. Wir haben mit unserer Kampfbereitschaft und Solidarität einen Weltkonzern zu Zugeständnissen gezwungen und werden uns auch in Zukunft nicht gegeneinander ausspielen lassen. Wir erwarten, dass InBev jetzt zügig einen Sozialtarifvertrag mit uns verhandelt.“ Auch Dieter Nickel, Geschäftsführer der NGG der Region Bremen-Weser-Elbe und an der Organisation der Warnstreiks beteiligt, wertete das Ergebnis als einen "Riesenerfolg". Er wäre nur erreichbar gewesen durch die unbedingte Solidarität der Kolleginnen und Kollegen an allen deutschen InBev-Standorten.
Die Konzernleitung fand für das Verhandlungsergebnis eine Erklärung, die für ein leicht amüsiertes Erstaunen sorgte. Das Wetter wär's gewesen, das das Unternehmen dazu gebracht hätte, schließlich von den ursprünglichen Plänen (Personalabbau bei der Gilde-Brauerei von 90 Stellen und in Bremen 50 Stellen) abzugehen. "Der derzeitige Geschäftsverlauf sowie die wetterbedingt außergewöhnliche Nachfrage", so heißt es in ihrer Presseerklärung vom 28. April, "rechtfertigten diesen Schritt."
sh
Auf der Betriebsversammlung am 29. April im Bremer Beck's-Werk gratulierte Inga Nitz, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion, den MitarbeiterInnen zu dem von ihnen erkämpften Erfolg und erklärte: "Auch wenn dieser Etappensieg den Krisendruck nicht mindert, ist er ein erfreuliches und wichtiges Signal. Wenn es auch andere Belegschaften ermutigt, geschlossen gegen Kündigungen und Einsparungen vorzugehen, ist noch mehr gewonnen. Wir sollten aus diesem Erfolg die nötige Kraft schöpfen, um weiter für bedrohte Arbeitsplätze, unsere Rechte und Forderungen einzustehen."
Für Inga Nitz zeigt sich im Ergebnis des Moratoriums, dass "Hartnäckigkeit und Solidarität" belohnt werden: "Nur wenn wir mobilisieren anstatt zu resignieren, erreichen wir unsere Ziele." Sie verwies damit auch auf die bundesweiten Kundgebungen zum 1. Mai und bat die versammelte Belegschaft, an den Demonstrationen gegen Profitgier und Sozialabbau teilzunehmen: "Euer beispielhaftes Agieren können wir als Wegweiser und
Schrittmacher gut gebrauchen!"