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2. Februar 2009

"Alle Bierhähne bleiben still!" Fortsetzung der außerordentlichen Abteilungsversammlung

Abteilungsversammlung bei Beck & Co.

Am heutige Montag wurde die außerordentliche Abteilungsversammlung der Becks-Brauerei fortgesetzt. Über 400 Kolleginnen und Kollegen nahmen trotz Einschüchterungsversuchen der Geschäftsleitung an der Versammlung teil. Zu Schichtbeginn wurden an alle Mitarbeiter durch den Sicherheitsdienst Informationen verteilt, dass die Abteilungsversammlung nicht rechtmäßig sei und daher eine Vergütung für die Teilnahme ausgeschlossen ist. 

Seit Montag morgen wurde in Bremen kein Bier mehr gebraut, da alle Kolleginnen und Kollegen der Arbeit fern blieben, obwohl die Geschäftsleitung mit rechtlichen Schritten gedroht hatte. Die in Bremen ansässige Deutschlandzentrale des weltgrößten Bierbrauers hält nämlich die Protestaktion für illegal. In einem Schreiben teilte die Geschäftsführung, laut einer Meldung von Radio Bremen vom 2. Februar, den Mitarbeitern deshalb mit, dass ihnen für diese Zeit deshalb auch kein Lohn zustehe. Die knapp 400 Beschäftigten der Frühschicht hätten sich, so der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Dieter Nickel, nicht einschüchtern lassen.

Die Bierbrauer verlangen, dass die Geschäftsleitung auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Außerdem sollen die Inbev-Chefs die Entlassungspläne für ihre norddeutschen Brauereien nicht länger dementieren, obwohl die eindeutigen Personalabbaupläne als interne Planungsunterlagen vorliegen. Danach sollen 65 Stellen in der Produktion allein in Bremen abgebaut werden.

Vom Betriebsrat wurde die bisherige und weitere Vorgehensweise erläutert. Einstimmig forderten die Teilnehmenden die Gewerkschaft auf, mit INBEV über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Die Bereitschaft, für den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen, war allgegenwärtig. 

Der KONZERNBETRIEBSRAT informiert:
Bremen, den 01.Februar 2009

Abbau von fast 160 Arbeitsplätzen geplant!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
schon im ersten Monat dieses Jahres wird bekannt, dass ABInBev den Abbau von weiteren ca. 160 Arbeitsplätzen für dieses Jahr plant. Neben der Streichung von Arbeitsplätzen in anderen Projekten, sollen jetzt auch 90 Arbeitsplätze in Hannover und zusätzlich 65 Arbeitsplätze in Bremen in der Technik abgebaut werden.

Während bisherige Projekte noch von der Geschäftsleitung selbst angekündigt werden konnten, sind beim geplanten Personalabbau für Bremen und Hannover die Informationen über Umwege dem Bremer Betriebsrat zugespielt worden.

Große Empörung über den Inhalt dieser Informationen machte sich sofort an den betroffenen Standorten breit und es kam am vergangenen Donnerstag und Freitag zu spontanen Betriebs- bzw. Abteilungsversammlungen in Bremen und Hannover, um die Belegschaft über die geplanten Umstrukturierungen zu informieren.

Zur Veranstaltung am Freitag in Bremen, vor dem Bremer Verwaltungsgebäude, kamen auch die Kolleginnen und Kollegen aus Hannover angereist. Über 600 Beschäftigte machten gemeinsam ihrem Unmut über die geplanten Maßnahmen Luft und forderten die Geschäftsleitung lautstark auf das Bürogebäude zu verlassen um der versammelten Belegschaft eine Stellungnahme abzugeben.

Erst nach mehreren Stunden und nach der wiederholten Aufforderung durch eine Delegation von Betriebsräten war Herr Dr. Lustig (Brewery Operation Director Germany) bereit sich der Situation zu stellen. Seine Stellungnahme beschränkte sich aber auf wenige Floskeln ohne Aussagekraft bezüglich der Fragen der Belegschaft und Betriebsräte. Dementiert wurden die den Betriebsräten vorliegenden Informationen jedenfalls nicht.

Damit wurde die bisherige Strategie der unzureichenden Kommunikation von der Geschäftsleitung unverändert fortgesetzt. Während der Veranstaltungen forderten sowohl die anwesenden Betriebsräte als auch Vertreter der Gewerkschaft NGG, das Projekt „Mottenkugel“ und den damit verbundenen Arbeitsplatzabbau für ein Jahr auf Eis zu legen. Die dadurch gewonnene Zeit soll dazu genutzt werden, um ein Zukunftssicherungskonzept für Hannover, unter Vermeidung von Personalabbau in Bremen, zwischen den Betriebsräten und der Gewerkschaft NGG einerseits und ABInBev andererseits zu verhandeln.

Der Geschäftsleitung ist deutlich gemacht worden, dass nur unter diesen Vorraussetzungen ein unbefristeter Großkonflikt vermieden werden kann.
Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung (Tel.: 0170 / 8325381).
Jens Bujok
KBR-Vorsitzender
ABInBev Deutschland