Die Krise hat nun auch den Arbeitsmarkt mit Wucht erreicht. Längst hat die Zahl der offiziell als erwerbslos gemeldeten Menschen wieder die Drei-Millionen-Grenze durchbrochen, Tendenz steigend. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung der Massenarbeitslosigkeit wäre es doch wesentlich sinnvoller, die Arbeit umzuverteilen statt Standorte zu verlagern oder womöglich zu schließen, sagt Bernd Riexinger, Stuttgarter ver.di-Geschäftsführer und Mitglied des Landesvorstands der LINKEN in Baden-Württemberg. Viel zu lange sei auf Forderungen zur Arbeitszeitverkürzung verzichtet worden, mit dem denkwürdigen Resultat, dass die Arbeitgeber die Grenzen der Arbeitszeit immer weiter verschoben hätten.
Tatsächlich beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten inzwischen 41,1 Stunden. Das finden die Gewerkschaftslinken unerträglich. In einem bundesweiten Appell fordern sie deshalb die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf zunächst 35 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Sich mit diesem Ziel gegen die Massenarbeitslosigkeit zu wehren würde den Gewerkschaften einen großen Teil ihrer deutlich geschwächten Verhandlungsmacht zurückgeben, sagt dazu der Sozialwissenschaftler Mohssen Massarrat, der sich als realistisches Ziel eine 30 Stunden-Woche vorstellen kann. Mit einem Schlag könnte der Niedriglohnsektor verschwinden, das Leiharbeitersystem zusammenbrechen und obendrein würden auch die entwürdigenden Hartz-IV-Regeln überflüssig.
In dem bereits fast von 2.000 Kolleginnen und Kollegen unterschriebenen Aufruf heißt es: „Arbeitszeitverkürzung muss auf die Tagesordnung. Die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst und in weiten Teilen der Privatwirtschaft setzt sich fort. Darauf ist eine zentrale Antwort der Gewerkschaften: Arbeitsumverteilung. Die Bedeutung dieser Forderung wird in der anstehenden Rezession noch wachsen. Die Erfahrung aus den 80er-Jahren hat gezeigt, dass die Verkürzung der Arbeitszeiten Stellen schaffen oder sichern kann. Sie ist von den Arbeitgebern allerdings vielfach auch zur Flexibilisierung und Arbeitsintensivierung genutzt worden. In den 90ern ging in einer Reihe von Betrieben die Reduzierung der Arbeitszeiten mit Lohnverlusten einher. Wir treten für eine Verkürzung in großen Schritten – zunächst für die 35-Stunden-Woche – sowie für vollen Lohn- und Personalausgleich ein.“
Der Landesvorstand DIE LINKE in Bremen unterstützt die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich und wird nach einem mehrheitlich gefassten Beschluss den Aufruf mittragen.
siehe auch hier: Wir zahlen nicht für eure Krise
Manfred Steglich