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24. Dezember 2009

Eine schöne Bescherung!

Foto: www.pixelio.de (Birgit Winter)

Das Kalenderjahr geht seinem Ende entgegen. Das neue Kirchen­jahr beginnt. Bald werden wir wieder Advents- und Weihnachtslieder hören und singen. Irgendwann und irgendwie wird die Bescherung folgen. Im Bremer Kirchengesangsbuch gibt es für diese Zeit Lieder und Gesänge, die vielen eingängig und bekannt sind.

„Es kommt ein SCHIFF GELADEN" Zum Beispiel: Da kommen Schiffe beladen mit einer ganz anderen Fracht. Es sind Kriegschiffe, Fre­gatten und Korvetten, gefertigt bei Lürßen. Beladen mit einer todbrin­genden Fracht. Sie sind mit Kanonen und anderem Kriegsgerät bestüÜckt und vollgestopft mit Elektronik von Rheinmetall und Atlaselektronik. Schiffe und Fracht kommen aus der Bremer Rüstungsproduktion. Dazu kommen noch U-Boote, ein besonde­rer Exportschlager aus deutschen Landen. Ebenfalls mit modernster Technik und Bewaffnung ausgerüstet.

Sie alle bringen nicht die Liebe und Hoffnung für eine gerechtere Welt. Sie transportieren zerstörerische Ele­mente. Wie gehen wir mit diesen Widersprüchen um, wenn überall die harmonisierenden Lichter flackern und die süßen Klänge im Raum ste­hen? Diese Schiffe sollen unter anderem die Handelswege sichern für uns, entziehen aber zugleich anderen Menschen und Völkern die Lebens­grundlagen. Und wer sind eigentlich die Piraten, gegen die unsere Marine eingesetzt wird? Wir sind nicht die Opfer, wir sind die Täter. Wir neh­men auch Kollateralschäden in Kauf!

Da ist auch das sehr nachdenkliche Lied »0 Heiland reiß' die Himmel auf ... « Wir sollen aus diesem »Jam­mertal«, das wir uns selbst immer schaffen, erlöst werden. Die Men­schen sollen aus Not und Elend befreit werden. Stattdessen benutzen wir den Himmel für den Einsatz des SAR- lupe und die Drohnen von OHB, um militärische Kampfeinsätze zu ermöglichen und die Überwachung der Außengrenzen – vor allem im Mittelmeerraum - vorzunehmen mit dem Ziel, Flüchtlinge aufzuhalten oder zur Umkehr zu zwingen, obwohl wir doch weitge­hend mit unserem Ausplünderungs­system für die Fluchtursachen ver­antwortlich sind.

Das jüngste Buch von Jean Ziegler »Der Hass auf den Westen« trägt bezeichnender Weise den Untertitel "Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren«. Frontex, das europäische Überwa­chungssystem gegen Flüchtlinge, wird vorrangig mit deutscher Tech­nologie aus Bremen ausgestattet.

So heißt es in der neuern Bremer Bro­schüre »Erlebnisland als Lieferant der Zutaten für Kriege« (Seite 33): »Bremer Rüstungsbetriebe leisten vor allem mit Satelliten und Droh­nen, mit Elektronik für Marine und Heer durch Kriegsschiffe und Flug­zeugbau (die A400M kommt dem­nächst als Militärtransporter dazu) einen beachtlichen Beitrag zur Ent­wicklung der weltweiten Interven­tionsfähigkeit der Bundeswehr und zur Verbreitung von Kriegswaffen und Ausrustungen auf dem Globus«. Fast alle Informationen, die uns eine militarisierte Gesellschaft vor Augen führen, sind aus den Printmedien unseres Bundeslandes zu entnehmen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Bundeswehr. Sie dringt mit geschick­ter Werbung immer weiter in zivile Bereiche vor. Werbung vor Arbeits­ämtern, Angebote zum Spielen am Groß gerät und Sommerferienpro­gramme gehören dazu.

Selbst beim Evangelischen Kirchentag in Bre­men, am Abend der Begegnung, durfte die» Truppe« auf dem Doms­hof - im Zentrum also - mit Musik, Geräten und Vorführungen Werbung betreiben! Aber, wen wundert es; Wenn beim Neujahrsempfang der Bundeswehr im Bremer Rathaus den uniformierten hochrangigen Militärs von unseren Spitzenpolitikern be­scheinigt wird, dass sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien, das die Kirchen da nicht zurückstehen wollen.

Übrigens: Der Bundespräsident fordert ja alle naselang eine größere Anerkennung der Soldaten durch die Zivilbevölkerung. die Friedensforschungsinstitute und Hochschulen oder Institute an Hochschulen (über 60) arbeiten an Projekten der Bundeswehr oder für die Bundeswehr. Die meisten Pro­gramme laufen unter dem Titel »For­schung für zivile Sicherheit«, vor allem wehrmedizinische und wehr­technische Programme. Im Jahre 2006 erhielten die Gebrüder Lürßen das Bundesverdienstkreuz und vor wenigen Monaten das Ehepaar Fuchs (OHB) die Ehrenmedaille der Uni­versität Bremen. Was aber hat das mit dem bevorste­henden Friedensfest zu tun? Ist nicht das Ziel von Advent und Weihnach­ten die Ankunft des »Friedensfür­sten« nicht mit dem Schwert, sondern mit gewaltfreien zivilen Konfliktlö­sungen zu feiern? Stattdessen werden Rüstungsmanager mit Medaillen aus­gezeichnet und das Militär zur Frie­denstruppe hochstilisiert.

Eine schöne Bescherung: Eine Umkehrung der Werte. Vielleicht gelingt es uns, dem weih­nachtlichen Konsumrausch, einem gedankenlosen Geläute und Gesinge und einem einlullenden, harmonisie­rendem Wortgeklingel entgegenzu­treten. Auch wenn viele Menschen mit der Weihnachtsgeschichte nichts anfangen können oder wollen, lassen sie sich mitreißen. Warum nicht mit Freunden, Bekannten, Verwandten über die Widerspruche sprechen und nach Alternativen suchen? Eine Stadt mit so viel Rüstungsproduktion, sowie Einsatz und Export der tod­bringenden Produkte, schafft keinen Frieden. Lasst uns daher die Wider­sprüche deutlich beim Namen nen­nen!

Mit freundlicher Genehmigung von Armin Stolle, Beiratsmitglied »Bremische Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung«