Das Kalenderjahr geht seinem Ende entgegen. Das neue Kirchenjahr beginnt. Bald werden wir wieder Advents- und Weihnachtslieder hören und singen. Irgendwann und irgendwie wird die Bescherung folgen. Im Bremer Kirchengesangsbuch gibt es für diese Zeit Lieder und Gesänge, die vielen eingängig und bekannt sind.
„Es kommt ein SCHIFF GELADEN" Zum Beispiel: Da kommen Schiffe beladen mit einer ganz anderen Fracht. Es sind Kriegschiffe, Fregatten und Korvetten, gefertigt bei Lürßen. Beladen mit einer todbringenden Fracht. Sie sind mit Kanonen und anderem Kriegsgerät bestüÜckt und vollgestopft mit Elektronik von Rheinmetall und Atlaselektronik. Schiffe und Fracht kommen aus der Bremer Rüstungsproduktion. Dazu kommen noch U-Boote, ein besonderer Exportschlager aus deutschen Landen. Ebenfalls mit modernster Technik und Bewaffnung ausgerüstet.
Sie alle bringen nicht die Liebe und Hoffnung für eine gerechtere Welt. Sie transportieren zerstörerische Elemente. Wie gehen wir mit diesen Widersprüchen um, wenn überall die harmonisierenden Lichter flackern und die süßen Klänge im Raum stehen? Diese Schiffe sollen unter anderem die Handelswege sichern für uns, entziehen aber zugleich anderen Menschen und Völkern die Lebensgrundlagen. Und wer sind eigentlich die Piraten, gegen die unsere Marine eingesetzt wird? Wir sind nicht die Opfer, wir sind die Täter. Wir nehmen auch Kollateralschäden in Kauf!
Da ist auch das sehr nachdenkliche Lied »0 Heiland reiß' die Himmel auf ... « Wir sollen aus diesem »Jammertal«, das wir uns selbst immer schaffen, erlöst werden. Die Menschen sollen aus Not und Elend befreit werden. Stattdessen benutzen wir den Himmel für den Einsatz des SAR- lupe und die Drohnen von OHB, um militärische Kampfeinsätze zu ermöglichen und die Überwachung der Außengrenzen – vor allem im Mittelmeerraum - vorzunehmen mit dem Ziel, Flüchtlinge aufzuhalten oder zur Umkehr zu zwingen, obwohl wir doch weitgehend mit unserem Ausplünderungssystem für die Fluchtursachen verantwortlich sind.
Das jüngste Buch von Jean Ziegler »Der Hass auf den Westen« trägt bezeichnender Weise den Untertitel "Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren«. Frontex, das europäische Überwachungssystem gegen Flüchtlinge, wird vorrangig mit deutscher Technologie aus Bremen ausgestattet.
So heißt es in der neuern Bremer Broschüre »Erlebnisland als Lieferant der Zutaten für Kriege« (Seite 33): »Bremer Rüstungsbetriebe leisten vor allem mit Satelliten und Drohnen, mit Elektronik für Marine und Heer durch Kriegsschiffe und Flugzeugbau (die A400M kommt demnächst als Militärtransporter dazu) einen beachtlichen Beitrag zur Entwicklung der weltweiten Interventionsfähigkeit der Bundeswehr und zur Verbreitung von Kriegswaffen und Ausrustungen auf dem Globus«. Fast alle Informationen, die uns eine militarisierte Gesellschaft vor Augen führen, sind aus den Printmedien unseres Bundeslandes zu entnehmen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Bundeswehr. Sie dringt mit geschickter Werbung immer weiter in zivile Bereiche vor. Werbung vor Arbeitsämtern, Angebote zum Spielen am Groß gerät und Sommerferienprogramme gehören dazu.
Selbst beim Evangelischen Kirchentag in Bremen, am Abend der Begegnung, durfte die» Truppe« auf dem Domshof - im Zentrum also - mit Musik, Geräten und Vorführungen Werbung betreiben! Aber, wen wundert es; Wenn beim Neujahrsempfang der Bundeswehr im Bremer Rathaus den uniformierten hochrangigen Militärs von unseren Spitzenpolitikern bescheinigt wird, dass sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien, das die Kirchen da nicht zurückstehen wollen.
Übrigens: Der Bundespräsident fordert ja alle naselang eine größere Anerkennung der Soldaten durch die Zivilbevölkerung. die Friedensforschungsinstitute und Hochschulen oder Institute an Hochschulen (über 60) arbeiten an Projekten der Bundeswehr oder für die Bundeswehr. Die meisten Programme laufen unter dem Titel »Forschung für zivile Sicherheit«, vor allem wehrmedizinische und wehrtechnische Programme. Im Jahre 2006 erhielten die Gebrüder Lürßen das Bundesverdienstkreuz und vor wenigen Monaten das Ehepaar Fuchs (OHB) die Ehrenmedaille der Universität Bremen. Was aber hat das mit dem bevorstehenden Friedensfest zu tun? Ist nicht das Ziel von Advent und Weihnachten die Ankunft des »Friedensfürsten« nicht mit dem Schwert, sondern mit gewaltfreien zivilen Konfliktlösungen zu feiern? Stattdessen werden Rüstungsmanager mit Medaillen ausgezeichnet und das Militär zur Friedenstruppe hochstilisiert.
Eine schöne Bescherung: Eine Umkehrung der Werte. Vielleicht gelingt es uns, dem weihnachtlichen Konsumrausch, einem gedankenlosen Geläute und Gesinge und einem einlullenden, harmonisierendem Wortgeklingel entgegenzutreten. Auch wenn viele Menschen mit der Weihnachtsgeschichte nichts anfangen können oder wollen, lassen sie sich mitreißen. Warum nicht mit Freunden, Bekannten, Verwandten über die Widerspruche sprechen und nach Alternativen suchen? Eine Stadt mit so viel Rüstungsproduktion, sowie Einsatz und Export der todbringenden Produkte, schafft keinen Frieden. Lasst uns daher die Widersprüche deutlich beim Namen nennen!
Mit freundlicher Genehmigung von Armin Stolle, Beiratsmitglied »Bremische Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung«