Unter dem Motto „Zeigen Sie Schlecker die rote Karte“ protestierten am gestrigen Donnerstag Gewerkschafter von ver.di sowie Beschäftigte der Drogeriekette Schlecker gegen die mit dem Umbau in einen Schlecker XL-Markt verbundene Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. „Ausschließlich zu Lasten der Beschäftigten will Schlecker sein neues Konzept der Schlecker XL-Märkte umsetzen“, empört sich der ver.di Gewerkschaftssekretär Richard Schmid, über die Pläne des Unternehmens.
So sollen die in dem derzeit umgebauten Ladengeschäft in der Gröpelinger Heerstraße in Bremen beschäftigten Verkäuferinnen bis auf eine allesamt versetzt werden. Diese Versetzungen seien aber laut ver.di auch erst nach Intervention des Betriebsrates zustande gekommen, nachdem Schlecker die Beschäftigten zunächst kündigen wollte. „Langjährige Mitarbeiterinnen sollten auf die Straße gesetzt werden, zudem sind auch die Versetzungen aus unserer Sicht eindeutig rechtswidrig“, meint Schmid.
Zudem würden nach Erkenntnis der Gewerkschaft in den neuen Schlecker XL-Märkten die dann dort neueingestellten Frauen keine tarifliche Bezahlung mehr erhalten. „Beschäftigte bekommen in den XL-Märkten eine Bezahlung von 6,50 bis 8,00 Euro, Weihnachts- und Urlaubsgeld gibt es überhaupt nicht mehr und die Verträge sind allesamt befristet“. Auch sei zu befürchten, so der Gewerkschafter, dass im Rahmen weiter XL-Eröffnungen kleinere Verkaufsstellen geschlossen und die dort Beschäftigten gekündigt werden sollen. „Gegen dieses Kahlschlagkonzept werden wir uns mit allen rechtlichen und politischen Mitteln zur Wehr setzen“, so Schmid. Bundesweit rechnet ver.di in den nächsten Jahren mit 4000 Verkaufsstellenschließungen in deren Verlauf zig tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren sollen. Auch in Bremen sind in jüngster Vergangenheit fünf Verkaufsstellen geschlossen worden, wobei ver.di befürchtet, dass in den nächsten Monaten noch weitere Schließungen folgen.
siehe auch Bericht in buten un binnen: Rote Karte für Schlecker
Hier die Einladung zu einer Film- und Diskussionsveranstaltung: „Ende der Vertretung -
Emmely und der Streik im Einzelhandel“. Dokumentarfilm von kanalB, 56 Minuten, Berlin 2009. Dienstag, 8. Sept. 2009, 20.00 Uhr im Nachbarschaftshaus „Helene Kaisen“, Beim Ohlenhof 10.
Schlecker XL auf Kosten der Beschäftigten
Schlecker XL ist eine neu gegründete Gesellschaft. Damit baut Schlecker nicht nur schönere größere Läden, sondern die Beschäftigten der alten Filialen werden gekündigt oder versetzt, im XL-Markt fangen dann neue Beschäftigte zu neuen - schlechteren Bedingungen an.
Das macht Schlecker bundesweit - in Bremen ist Gröpelingen der erste XL-Markt. Er wird nicht der einzige bleiben!
Wir protestieren gegen den Umgang mit den Beschäftigten - und rufen auch die Kundinnen und Kunden zum Protest auf!
Doch es geht auch um Kaisers, Plus, Lidl, kik und andere!
Auch bei diesen - und anderen - Discountern gibt es schlechte Arbeitsbedingungen, Bespitzelung, Willkür, Mobbing und ungerechtfertigte Abmahnungen und Kündigungen.
Niedrige Löhne und dem Abbau von Vollzeit-Beschäftigung zugunsten von Minijobs oder Teilzeit-Jobs „auf Abruf“ sind auch dort ein „Markenzeichen“. Tarifverträge und Schutzrechte werden unterlaufen und eine Interessenvertretung, z.B. durch Betriebsräte werden behindert.
Solche Maßnahmen sind nichts anderes als Angriffe der UnternehmerInnen auf die Rechte der Beschäftigten. Und sie sind kein Zufall, sondern fügen sich ein in eine großangelegte Strukturveränderungen im Einzelhandel. Die Belegschaft besteht immer weniger aus Vollzeitbeschäftigten. Zunehmend werden Teilzeitangestellte, LeiharbeiterInnen und MinijoberInnen eingestellt, die für viel weniger Gehalt und ohne Urlaubs- oder Krankheitsanspruch die Regale befüllen und die Kassen abfertigen.
Damit einher gehen Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen und stagnierende Löhne - während die Gewinne weiter steigen: zwischen 2000 und 2006 um 64,3%!
Die Geschäftspolitik von Supermärkten und Discountern ist aber auch gegen die Zulieferer sehr problematisch: z.B. die Preisdiktate gegenüber Herstellern werden in aller Regel von den dort Beschäftigten in aller Welt „ausgebadet“.
Verdachtskündigungen abschaffen!
Im Juli und August hat das Bremer Mayday-Bündnis Unterschriften und Geld gesammelt, um „Emmely“ zu unterstützen, die nach 31 Jahren im ersten Arbeitsverhältnis als Kassiererin von der Kaiser´s-Tengelmann AG fristlos gekündigt wurde, weil sie angeblich Pfandbons für insgesamt 1,30 € falsch abgerechnet haben soll.
Obwohl Emmely die Vorwürfe bestreitet, gibt die im deutschen Arbeitsrecht verankerte „Verdachtskündigung“ Arbeitgebern die Möglichkeit Beschäftigte einfach zu kündigen, wenn ein „begründeter Verdacht“ besteht. Sie müssen den Vorwurf gar nicht beweisen. Man darf einfach kündigen - und die Gerichte geben den Arbeitgebern fast immer recht.
Dagegen wehrt sich die Kollegin „Emmely“ in Berlin nun seit 1 1/2 Jahren mit Unterstützung von ver.di und einer Unterstützergruppe.
Der Fall Emmely zeigt, dass nicht nur bei Schlecker konsequent gegen die Beschäftigen gearbeitet wird. Und er zeigt, dass Widerstand sich lohnt - Emmely hat die Kündigung nicht auf sich sitzen lassen und damit eine öffentliche Debatte losgetreten, die dringend nötig ist.
Wenn sich etwas ändern soll, müssen wir über die Verhältnisse bei Schlecker reden - hier in Gröpelingen - hier in Bremen!
Kommen Sie zur Film- und Diskussionsveranstaltung! Berichten Sie dort von Ihren eigenen Erfahrungen im Einzelhandel - guten und schlechten! Beratschlagen Sie mit uns gemeinsam, was wir weiter tun können!
Bremer Mayday-Bündnis
www.mayday-bremen.de
Film- und Diskussionsveranstaltung: „Ende der Vertretung - Emmely und der Streik im Einzelhandel“ Dokumentarfilm von kanalB, 56 Minuten, Berlin 2009
Dienstag, 8. Sept. 2009, 20.00 Uhr Nachbarschaftshaus „Helene Kaisen“, Beim Ohlenhof 10
Zu Wort kommen Frauen, die seit Jahrzehnten im Einzelhandel arbeiten. Viele streiken zum ersten mal in ihrem Leben. Oft sind sie allein erziehend, in Teilzeit und mit so wenig Lohn, dass sie sich ihr Essen „bei der Familie zusammensuchen“ müssen. Manchen wird ihr Engagement im Streik zum Verhängnis. Der Film erkundet unter anderem das Engagement der ArbeiterInnen im Streik und analysiert das Vorgehen der Streikleitung und die Rolle der Betriebsräte. Beschrieben werden auch die Interventionen linker Gruppen an der Seite der Streikenden.
Im Anschluss wollen wir diskutieren, wo in Bremen Widerstand nötig und möglich ist.