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24. April 2009

Peter Sodann in Bremen

Peter Sodann, Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten

im Gespräch mit Christian Weber, Bürgerschaftspräsident

auf dem Jahresempfang der Liniksfraktion im Presseclub im Schnoor

Der Bremer Linksfraktion war es gelungen, Peter Sodann nach Bremen zu holen. Da er der von der LINKEN nominierte Kandidat für das höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland, nämlich des Bundespräsidenten, ist, konnte man auf eine entsprechende Neugierde der Medien hoffen. Chancen beim Wettlauf für das hohe Amt hat er, wie er selber zu sagen pflegt, auf die Bronzemedaille - nach Horst Köhler und Gesine Schwan.

Peter Sodann kam zunächst in die Bürgerschaft, wurde sehr artig vom Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber zu einem kleinen small-talk im Präsidentenzimmer empfangen, nahm ein Geschenk entgegen (ein Buch über Bremen, was wohl üblich ist), entschwand dann mit Herrn Weber und einigen Abgeordneten der Linksfraktion zum Mittagessen, absolvierte danach eine Pressekonferenz und war dann der Ehrengast am Nachmittag auf dem Jahresempfang der Linksfraktion mit ihm im Presseclub im Schnoor. Schluss war für den 72-jährigen immer noch nicht. Für den Abend gab es noch einen Termin in der Bremerhavener "Takelage", wo er aus seiner Autobiografie "Rat der Spötter" vorlesen wollte.

Peter Sodann hat schon viel gemacht in seinem Leben. Er fing an als Werkzeugmacher, holte an der Arbeiter- und Bauernfakultät sein Abitur nach, studierte dann zunächst Jura, wechselte zur Theaterhochschule Leipzig und leitete dort das Studentenkabarett "Rat der Spötter". 1961 wurde ein Programm als "konterrevolutionär" eingestuft, das Kabarett musste aufgelöst werden, er wurde sogar verhaftet, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und aus der SED ausgeschlossen. Nach neun Monaten Haft wurde er entlassen, machte zunächst eine Ausbildung zum Spitzendreher und konnte dann sein Studium fortsetzen. Sein erstes Engagement: am Berliner Ensemble unter Helene Weigel. Danach Spielzeiten in Erfurt, Karl-Marx-Stadt und (schon als Schauspieldirektor) in Magdeburg. Nach der Wende gründete er mit dem Ensemble des "neuen theaters" in Halle die "Kulturinsel" mit dem Großen Saal, dem Hof-, Kammer und Puppentheater mitsamt Galerie und Bibliothek. In den 70ern begann seine Tätigkeit in Film und Fernsehen. Nach der Wende wurde er dann bekannt als der Leipziger Kommissar Bruno Ehrlicher in verschiedenen "Tatorten". Bei seinem Gang durch Bremen fragten ihn auch prompt einige BremerInnen nach Autogrammkarten.

Am 14. Oktober 2008 gab DIE LINKE bekannt, dass Peter Sodann als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten antreten würde. Er sei der "Kandidat des Volkes". Nach einem kleinen Aufruhr der deutschen Medien, die mit seiner leichten, humorigen, manchmal noch vom Kabarett angehauchten Art nichts anzufangen wussten und das auch nicht wollten, wurde er ordentlich durch die deutsche Medienmangel gedreht. Bekannt wurden seine Aussagen zur DDR. Z.B. "Ich will die DDR nicht wieder haben; ich lasse sie mir aber auch nicht nehmen." Und: "Es war ja nicht alles so schlecht, dass ich jeden Tag unterm Schrank rumkriechen musste." Richtig schrill wurde die Tonart, als er sich erdreistete, auf die Frage der Sächsischen Zeitung "Ist die Bundesrepublik eine Demokratie?", zu antworten: "Ich halte das, was wir haben, nicht für eine Demokratie". In der deutschen Politik würde der Artikel 1 des Grundgesetzes, die Würde des Menschen sei unantastbar, nicht richtig ernst genommen.

Diese äußerst respektlosen Äußerungen gingen sogar auch einigen besonders staatstreuen LINKE-Mitgliedern zu weit. "Natürlich ist Deutschland eine Demokratie", versuchte es z.B. Monika Knoche, die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, mit einer deutlichen Zurechtweisung.

Peter Sodann scheint sich zu Herzen genommen zu haben, dass er als Präsidentenkandidat präsidialer reden müsse. Schade auch, denn diese "Wie-mir-der- Schnabel-gewachsen-ist"-Redeweise, angereichert durch kabarettistische und schauspielerische Erfahrungen, hätte ihn deutlich von dem sonst üblichen staatstragenden deutschen Politikersprech mit dem immer falschen Pathos unterscheiden können. Vielleicht aber war er auch etwas müde von seinen vielen Auftritten in den deutschen Landen. Bremen war ja nicht sein einziger. Am Sonntag schon wird er bei der Linkspartei in Hamburg erwartet, in der "Roten Möve".
Sönke Hundt