Zurück zur Startseite
29. Mai 2008

Arbeitslosenzahlen werden schön geredet

In Bremen waren im Mai offiziell 37.257 Menschen arbeitslos gemeldet. (Agentur für Arbeit, Bremen)

Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe der neuen Erwerbslosenzahlen für den Monat Mai hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Politik statistische Trickserei vorgeworfen. «Da wird in der Tat an der Statistikschraube gedreht», sagte IAB-Direktor Joachim Möller. «Unter der Großen Koalition fallen künftig Langzeitarbeitslose über 58 Jahre aus der Arbeitslosenstatistik, wenn ihnen nicht innerhalb eines Jahres ein konkretes Jobangebot gemacht werden kann.» Das könne er nicht nachvollziehen, sagte der Chef des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts. Neben der offiziellen Erwerbslosenzahl von 3,4 Millionen gebe es etwa 625.000 Menschen, die nicht arbeitslos gemeldet seien, aber gerne arbeiten würden - die sogenannte stille Reserve - sowie eine Million Menschen, die nicht als arbeitslos gezählt werden - etwa, weil sie als Ein-Euro-Jobber arbeiten, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stecken oder staatlich gefördert frühverrentet wurden.

Dass die Bundesagentur für Arbeit alle Register zieht, um die tatsächlichen Ausmaße der Erwerbslosigkeit zu verschleiern, findet auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, „Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Mai stimmen hinten und vorne nicht", kommentiert Kornelia Möller. Auch sie geht von deutlich höheren Zahlen aus:  "Selbst nach vorsichtigsten Schätzungen fehlen 1,5 Millionen erwerbslose Menschen in der Statistik der Bundesagentur." Die niedrigeren offiziellen Zahlen beruhten durchaus nicht auf einem Rechenfehler. Dahinter stecke vielmehr politisches Kalkül.

Was nicht verwundert: „Gäben der Arbeitsminister und seine Ministeriumsriege die tatsächliche Zahl von insgesamt 5 bis 6 Millionen Menschen an, die keiner regulären Erwerbsarbeit nachgehen, fiele es ihnen ungleich schwerer, weiter das Märchen von Aufschwung und  Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten. Überdies ist nicht allein die Zahl der Beschäftigten wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass Erwerbsarbeit qualitativ hochwertig und gut bezahlt ist. Künstlich die Arbeitslosenzahlen kleinzurechnen, nützt keinem und schon gar nicht den betroffenen Menschen.“

In Bremen waren im Mai offiziell 37.257 Menschen ohne Arbeit gemeldet. Das entspricht einer Erwerbslosenquote von 11,6 Prozent.

(ms)