Noch bei den Haushaltsberatungen hatte die Finanzsenatorin, Karoline Linnert, versprochen, dass kein einziger Euro aus dem defizitären Bremer Haushalt an die vollkommen private Jacobs-University gezahlt würde. Jetzt Trick siebzehn: jetzt soll die BIG (Bremer Investitionsgesellschaft, zu 100% im Besitz des Landes Bremen) für die IUB ein neues Gebäude auf dem Campus und dazu noch eine IUB-Mehrzweckhalle auf dem Science-Park-Gelände bauen. Wert: 20 Millionen.
Auch der Redakteur des Weserkuriers vibriert vor Empörung über so viel Trickserei.
"Bald ist Ostern - und in Regierungskreisen setzt die Eierei ein, wenn es um ersehnte Millionen für die Jacobs-University Bremen geht... Aber nun ist Osterzeit, es wird gebastelt - und zwar an einem Umweg: Wenn kein Geld fließen soll, dann wird die IUB eben mit neuen Gebäuden beglückt. Spitzen der bremischen Politik empfinden eine innere Verpflichtung, der sie allerdings angesichts knapper Kassen nur schwer nachkommen mögen und können. Der Kaufmann und Milliardär Klaus Jacobs hatte bekanntlich 2006 mit einer 200-Millionen-Euro-Spende an die damals noch International-University Bremen für Schlagzeilen gesorgt, aber gleich auch für Aktivitäten in Regierungsrunden. Denn an die Gabe, so hieß es auf einmal, sei die Erwartung oder wenigstens die Bitte geknüpft, dass Bremen jährlich fünf Millionen Euro dazugibt - bis zu einer Gesamtsumme von 25 Millionen. Einen solchen Gönner wie Jacobs enttäuschen? So weit soll es nicht kommen. 'Angesichts des privaten Engagements kann man eine solche Bitte nicht ausschlagen,' erklärte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) im Herbst vergangenen Jahres. Etwas kryptisch fügte er hinzu, "Bremen" werde einen Beitrag leisten." (Weserkurier vom 29.02.08)
Aber wir können auch dem Weserkurier etwas auf die Sprünge helfen. Ganz so ist das mit den Millionen nicht gewesen. Der Milliardär hat nicht einfach 200 Millionen gespendet. Etwas spitzfindiger war die Sache schon. Es war nur die Ankündigung einer Spende. Der Milliardär hatte seinerzeit lediglich versprochen, über fünf Jahre hinweg eine jährliche Rate von 15 Millionen an die IUB zu zahlen. Aber nur unter einer Bedingung: auch Bremen muß zahlen. Sonst nicht. Die Spendenzahlung ist jedes Jahr eine absolut freiwillige Leistung des Milliardärs. Erst nach 5 Jahren, also im Jahr 2011, sind die restlichen 125 Mio. € zu erwarten - wieder nur bei Erfüllung der Bedingungen.
Weil der IUB damals das Wasser bis zum Hals stand und sie aus eigener Kraft nicht existenzfähig war und ist, war die Zusage von Klaus Jacobs damals die Rettung. Weil die IUB ein Prestige-Objekt ist, kann der Senat (vor allem der Bürgermeister Jens Böhrnsen) nur um den Preis einer riesigen öffentlichen Blamage mit dem Daumen nach unten zeigen. Weil die richtige Universität angesichts der Proteste wegen HEP IV und V nicht zur Ruhe kommt, konnte Karoline Linnert als Grüne schlecht die öffentliche Universität schröpfen, um damit die private zu füttern.
Also kam, was kommen mußte. Es mußte getrickst werden. Aber so plump? Ob nun direkt aus dem Haushalt Geld fließt oder eine oder mehrere Hallen indirekt auf Staatskosten gebaut und geschenkt werden ... Es ist der Unterschied zwischen Geld und einem geldwerten Vorteil. (sh)