Vom 23. Februar 2008 bis zum 16. März 2008 findet eine politische Delegationsreise nach Venezuela statt. Dafür konnten sich MitfahrerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet für diese Reise bewerben. Dadurch sollte eine möglichst breit zusammengesetzte Delegation aus 30 Studierenden für die Reise möglich werden. Wer mitfahren wollte, musste verschiedene Kriterien erfüllen:
Aus Bremen ist Ahmed Abed, bildungspolitischer Sprecher des Landesvorstandes der Bremer LINKEN und Jura-Student an der Uni Bremen, dabei. Hier sein erster Reisebericht (mh):
Freitag 3.30 Uhr: Tiefe Augenringe und schweres Gepäck bestimmen den Aufbruch nach Venezuela von 30 Studierenden des DieLinke.SDS. Ebenso viele Pfunde nahmen wir aber auch an Spannung und Freude über den Beginn unserer seit Monaten vorbereiteten Reise mit.
Ein Zeitpunkt auf den wir alle lange gewartet haben. Wir stiegen bei Regen und Kälte in das Flugzeug ein und kamen mittags bei strahlender Sonne in Caracas an. Dort wurden wir vom venezolanischen Außenministerium herzlich begrüßt und ins Hotel gebracht. 20 Stunden Reisemüdigkeit wurden durch die Begrüßung einer afro-venezolanischen Tanz- und Gesangsgruppe weggepustet. Die Tänzer schwangen mit Kraft und Freude die Hüften zu Trommelklängen und Volksliedern. Ihr Tanz und Gesang zeigte uns ein kulturelles Selbstbewusstsein, das auf den Umgang mit der politischen Entwicklung Venezuelas hindeutete.
Am nächsten Tag gingen wir frisch ausgeruht zu unserem ersten Treffen im Außenministerium Venezuelas. Das Foyer des Ministeriums grenzt an ein verglasten Raum, der den Namen „Salvador Allende“ trägt. Und wir fanden im Foyer eine Plastik in Form einer zerbrochenen Brille, die an den von rechten Putschisten ermordeten chilenischen Präsidenten erinnert. Ob sich dieser sympathische Eindruck bei dem älteren Mann, der dann vor uns Platz nahm fortsetzen sollte, war schnell beantwortet. Carolos Wimmer der PCV (KP Venezuela) hieß uns Willkommen. Zu unserer Überraschung fing er sofort an mit münchener Akzent deutsch zu sprechen. Er kam Anfang der 70er nach Lateinamerika und begann seine politische Aktivitätenn im SDS. Heute ist er eine der führenden Personen der bolivarianischen Revolution. In seinem Redebeitrag hob er vor allem hervor, dass die Konterrevolutionäre ständig gegen die bolivarianisch-chavistische-sozialistische Entwicklung arbeiten. Doch aus dem Militärputschversuch der Opposition gegen Chavez im Jahr 2003 haben die Kommunisten, Sozialisten und Chavisten gelernt, dass sie auf diese antidemokratischen Angriffe gewappnet sein müssen. Hierfür ist die zivil-militärische Kooperation, eine für unsere Verhältnisse erstmal sehr schwer vorstellbare Maßnahme. Er erklärte, dass das Militär in der Geschichte Lateinamerikas tatsächlich immer eine rechte Position eingenommen hat. Doch die von amerikanischen Militärs zu einer antikommunistischen Haltung geschulten venezolanischen Militärs haben sich den linken Ideen aufgrund der Armut in der Bevölkerung und der Identifizierung mit der bolivarisch-chavistischen Idee angeschlossen. Besonderes Interesse fand auch die Entwicklung der neuen Partei in Venzuela: die PSUV (Partido Socialista Unido de Venzuela). Nach Angaben der PSUV haben über 5,5 Mio. Personen - bei 27 Mio. Einwohnern - ihren Willen zur Mitgliedschaft erklärt. Wimmler selbst arbeitet am Aufbau und der Organisation der PSUV mit, obwohl sich die PCV gegen die eigene Auflösung in der PSUV ausgesprochen hat. Er stellte klar, dass die chavistische Regierung seit drei Jahren den Sozialismus in und mit der Öffentlichkeit diskutiert und auch deshalb Bündnispartner ist. Unsere zahlreichen Fragen, wie das Verhältnis zu Kuba und China sei, wurden mit der internationalen Solidarität und vor allem dem Fokus auf den eigenen Kampf beantwortet. Jeder solle bei sich und angesichts eines eigenen Bildes sowie ohne ein durch Massenmedien verzerrtes Bild die nationale Situation bewerten und reagieren. Die Zuhörer nahmen dies teilweise positiv und teilweise negativ auf.
Am folgenden Tag gingen wir zur Universidad Bolivariana Venezuela an der 5000 junge und alte Menschen studieren und trafen uns mit offiziellen Vertretern der Universität und verschiedenen Studierenden. 90 % der Studierenden bekommen ein Stipendium und es gibt keine teuren Eingangsprüfungen. Besonders beeindruckend fanden wir zum einen den Versuch der Umsetzung des progressiven Bildungskonzeptes von Pablo Freires und die soziale Verankerung der Studiengänge: Architekturstudierende helfen bei der Stadtplanung. Jurastudierende helfen in Jugendgefängnissen bei der Resozialisierung mit. Studierende des Faches Öffentliche Gesundheit helfen beim Aufbau in den medizinischen Zentren der Stadtteile oder Dörfer oder der Erziehung. Trotz allem gibt es viele politische Probleme. Doch die Ausrichtung und Masse der Menschen, die von der universitären Bildung profitieren ist bemerkenswert.
Am Donnerstag erwartet uns ein Tag im Parlament (Assamblea Nacional), wo uns weitere interessante Gespräche erwarten. Wir schauen mit Spannung auf die folgenden zweieinhalb Wochen. Fortsetzung folgt...
Aktuelle Informationen findet ihr in unserem Internetblog: http://venezuela.linke-sds.org
Ahmed Abed, zurzeit in Caracas in Venzuela