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26. September 2007 Information

Wieder öffentliches Geld für die private Jacobs-University?

(Jetzt mit dem Buten+Binnen-Interview vom 25.09.07)

Zur Erinnerung: noch im August 2006 schien die damalige IUB am Ende.  Die Rice University als der wichtige Gründungspartner in den USA war längst ausgestiegen. Der Kapitalstock von geplanten 250 Mio. war auf 80 Mio zusammengeschmolzen. Die IUB mußte aus der Substanz leben, weil die laufenden Ausgaben nicht mehr aus den Einnahmen (Studiengebühren, Zinsen, Spenden) gedeckt werden konnten. Mit der versprochenen Exzellenz von Forschung und Lehre war es auch nicht weit her. Eine Expertenkommission, von der damaligen IUB selber berufen, hatte dringend zu einschneidenden Änderungen geraten, da die Exzellenz bisher jedenfalls nicht erreicht worden sei. Die IUB war nach ihren eigenen privatwirtschaftlichen Maßstäben pleite und ihr Geschäftsmodell als private Elite-Universität für die Kinder der Wohlhabenden in dieser Gesellschaft geplatzt. Ohne neues Kapital oder neue Subventionen war das Ende nahe.

Der rot-schwarze Senat war in der allergrößte Bedrängnis. Er müßte entweder neue Subventionen zahlen, oder das ganze Projekt platzen lassen (der zweite Space-Park).

Wenn da nicht im letzten Oktober der Bremer Milliardär Klaus Jacobs gewesen wäre, der in letzter Sekunde und in der allerhöchsten Not der IUB aus seiner Jacobs Foundation 200 Mio. Euro versprochen hätte, um sie von allen finanziellen Nöten zu befreien. Wofür sich die IUB in großer Dankbarkeit sofort in "Jacobs University" umbenannte. Aber - was damals in den vielen Jubelmeldungen über die großzügige Rettung unterging - die Spende ist an genaue Bedingungen geknüpft. Vor allem diese: sie wird ratenweise und nur dann ausgezahlt, wenn auch das Land Bremen seinen Teil dazugibt. So kommt es also, dass mitten in den einschneidenden Sparmaßnahmen, von denen Bremen regelrecht stranguliert wird, auch noch 10 Millionen für die Privatuni rausgeschnitten werden müssen, um die Absprachen mit der Jacobs Foundation einhalten zu können.

Die Meldungen aus der Klausurtagung des Senats im Weserkurier waren jedenfalls ebenso unklar wie geheimnisvoll.

Gestern, am 25.09. hieß es: "Bürgermeister Jens Böhrnsen gelang es offenbar, Senatoren mit dem Hinweis zu überraschen, dass für die Jacobs University noch zehn Millionen Euro locker gemacht werden müssten. 'Schleierhaft', so eine Reaktion, 'woher diese Summe angesichts der knappen Kasse noch kommen soll.'

Heute, am 26.09.: "Gesucht wird noch der bremische Beitrag für die Jacobs University. Hintergrund: Der Kaufmann Klaus Jacobs hatte seine 200-Millionen-Spende an die Bitte geknüpft, aus Bremen möge jährlich ein Betrag von fünf Millionen Euro hinzukommen. 'Angesichts dieses privaten Engagements kann man eine solche Bitte nicht abwehren,' betonte Böhrnsen gestern. Im Haushalt ist der Betrag, wie es hieß, nicht ausgewiesen."

Wieviel sind es nun genau? 5 oder 10 Millionen? Und: welche Absprachen mit welcher Bindungswirkung für das Land Bremen sind im Zusammenhang mit der großzügigen 200-Millionen-Spende denn nun wirklich getroffen worden? Eine harmlose Bitte mit der einfachen Möglichkeit, sie zu erfüllen oder abzulehnen, wird es nicht gewesen sein.

In der Buten+Binnen-Sendung vom 25.09.07 war folgendes zu vernehmen:

"Eine dicke Überraschung gab es bei den Haushaltsberatungen. Denn der Unternehmer Claus  Jacobs, das wurde erst jetzt bekannt, hat seine Spende an die IUB vergangenen Jahres an eine Bedingung geknüpft. 200 Millionen Euro zahlt Jacobs an die mittlerweile nach ihm benannte Privatuniversität. Aber, so seine Forderung, auch Bremen müsse sich an der Finanzierung beteiligen.

Böhrnsen
: "Im Zusammenhang mit der unglaublich großen Spende von 200 Mio. € von Claus Jacobs hat es Gespräche gegeben, äh mit der Hoffnung, mit der Erwartung, mit der Bitte von Claus Jacobs äh und der äh Universität, dass doch auch Bremen äh weiterhin zeigen möge, dass es dieser Universität, dass Bremen diese Universität begleitet."

Redaktion: Die 25 Millionen sollen in erster Linie die heimische Wirtschaft aufbringen. Gelingt das aber nicht, muß das Land zahlen.

Linnert:
"Es steht nicht im Haushalt, es ist auch bei mir nicht angemeldet, ich weiß, dass es solche Verabredungen gibt, und wir werden die auch einhalten."

Im buten+binnen-Bericht wird also berichtet:

  1. Die 200 Mio-Spende von Claus Jacobs ist an eine Bedingung geknüpft: Bremen muß sich an der Finanzierung beteiligen.
  2. Die Rede ist von 25 Mio. €, die in erster Linie die heimische Wirtschaft aufbringen soll.
  3. Gelingt das nicht, muß das Land zahlen.
  4. Wieviel ist unklar: genannt werden 5 Mio., 10 Mio, im buten+binnen-Bericht 25 Mio.
  5. Linnert weiß offenbar auch davon und will die Verabredungen einhalten.

(sh)

siehe auch:

"Die IUB - der Space Park der Bremer Bildungspolitik"
http://www.wasg-hb.de/archiv.htm#iub1

und: "Privatuni IUB - und kein Ende der Subventionen in Sicht"
www.wasg-hb.de/archiv.htm