Manfred Müller, Geschäftsführer für Marketing und Management für Werder Bremen, verkündete gestern mit stolzgeschwellter Brust: die Citibank wird ab der kommenden Saison der neue Hauptsponsor und zahlt dafür ca. 8 Mio. € pro Saison. Bei "sportlichem Erfolg" könne es auch noch mehr werden. (Weserkurier v. 19.05.07) Im Gespräch ist auch, das gesamte Weser-Stadtion in "Stadion Citibank" umzubenennen.
Warum zahlt eigentlich die weltweit agierende Citibank dem relativ kleinen Fußballverein an der Weser so viel Geld, damit das Logo der Citibank auf den Trikots und den sonstigen Merchandising-Artikeln erscheint? Es geht hier nicht um die Erhöhung des Bekanntheitsgrades, wie Ulrich Jordan, Vorstandsmitglied der Bank, in Werder.de von heute behauptet: "Wir versprechen uns von der langfristigen Partnerschaft eine deutliche Steigerung des Bekannheitsgrade der Marke Citibank in Deutschland." Denn: die Citibank ist bekannt genug; sie ist die größte Privatkundenbank der Welt und sogar die achtbekannteste Marke der Welt.
Worum es geht, ist einzig und allein ihr grottenschlechtes Image, das von Werder aufgebessert werden soll. Die Citibank ist geradezu berüchtigt für ihre brutale Ausbeutung der sogenannten kleinen Leute, wenn diese in Geldschwierigkeiten sind. Die Citibank wirbt mit niedrigen Zinsen (7%), die durch die diversen Nebenbedingungen enorm gesteigert werden. Sie kalkuliert Kreditausfälle kaltlächelnd ein und erreicht trotzdem Traumrenditen. Die Stiftung Warentest vom 21.2.07 dokumentierte den folgenden Fall:
"Die Citibank etwa gab einer 45-jährigen Testkundin 15,2% als Effektivzins an. Der tatsächliche Zins lag aber bei unblaublichen 24,4%. Das sind 1.837 Euro mehr für den 10.000 Euro-Kredit als im Effektivzins eingerechnet. Der Zinssprung liegt an diversen Risikoversicherungen, mit denen die Banken die Kredite absichern, falls der Kunde stirbt oder arbeitslos wird. Die Kosten für die Versicherung schlagen die Banken einfach auf die Kreditsumme. Dann berechnen sie die Rate für die höhere Schuld, ohne den Effektivzinssatz neu zu ermitteln. Folge: Der Kunde merkt oft nicht, dass er für den Kredit in Wirklichkeit viel mehr zahlt. In fast zwei Drittel der Fälle wurde den Testkunden obendrein suggeriert, dass sie den Kredit nur dann erhalten, wenn sie eine Versicherung abschließen. Das ist meist falsch - immer aber teuer. Denn wer bereits eine Risikolebens- oder Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat, ist ausreichend für den Todesfall abgesichert."
Häufig kommt es noch schlimmer. Wenn die gebeutelten Kunden in Zahlungsschwierigkeiten geraten und umschulden müssen, müssen sie für alle Kredite zusammen eine neue Restschuldversicherung abschließen. Diese Geschäftspraktiken sind üblich. Argumentiert wird immer mit der formalen Vertragsfreiheit, worüber es einen Dauerstreit mit den Verbraucherzentralen gibt. Anfang des Jahres legten diese eine Liste mit mehr als 200 eidesstattlichen Erklärungen vor, die belegten, dass Kunden zum Abschluß der Restschuldversicherungen gezwungen wurden. Und mehr als 60% dieser Fälle betrafen die Citibank.
Über diese Praktiken ist viel von den Verbraucherzentralen und in den Medien berichtet worden. Diese Berichte zeigen auch Wirkung und schrecken immer mehr Kunden ab. Von ihrem Geschäftsmodell will die Citibank aber nicht lassen, weil es so lukrativ ist. Also muß man das Image ändern.
Und hier kommt nun Werder ins Spiel. Das Image der Marke "Werder" könnte im Moment besser nicht sein. Werder steht für Erfolg, Kampfgeist, Jugend, Dynamik, Teamgeist, Gesundheit, Fairness und vor allem für finanzielle Solidität. Diese ausgesprochen positiven Imagebestandteile sollen nun, so die Hoffnung, transferiert werden auf die Marke "Citibank". Und allein für diesen Imagetransfer ist die Citibank bereit, die 8 Mio. € pro Spielperiode zu zahlen.
Werder Bremen muß allerding aufpassen, weil es passieren kann, dass der Image-Transfer auch in die umgekehrte Richtung verläuft. Dann verbessert Werder nicht das Image der Citibank, sondern umgekehrt: die Citibank überträgt ihre schlechten Eigenschaften auf die Marke Werder. Was eine markentechnische Katastrophe wäre: die Marke "Werder" würde rapide an Wert verlieren. (sh)