DIE LINKE macht ihre Versprechungen aus dem Wahlkampf wahr, sich als moderne und offene Partei nach dem Zusammenschluß von WASG und Linkspartei sozusagen neu zu erfinden. Einstimmig wurde gestern auf dem "Plenum" (dazu gleich mehr) beschlossen:
Das Wahlplenum aus Wahlkampfzeiten definiert sich neu und nennt sich in Zukunft "Offenes Plenum der LINKEN". Es tagt in Zukunft regelmäßig jeden dritten Donnerstag im Monat (nach Bedarf auch öfter) und hat Koordinatoren bestimmt, die sich um die Einladung, die Vorbereitung der Tagesordnung und die Raumreservierung (wahrscheinlich regelmäßig im "Paradox") kümmern. Die Koordinatoren sind: Helmut Gehle, Alexander Strübing und Sönke Hundt.
Zur Erinnerung: das sogenannte "Wahlplenum" war vor der Bürgerschaftswahl ein recht aktives Gremium, das ziemlich regelmäßig alle 14 Tage zusammenkam, viele Informationen austauschte, viel koordinierte, viel diskutierte und auch mit einigen Plenums-Entscheidungen in den Wahlkampf eingriff. Da es auf absehbare Zeit keine Landesmitgliederversammlungen mehr geben wird, entsteht eine Lücke, die dieses Offene Plenum schließen soll.
Der große Vorteil eines solchen offenen Plenums ist es, dass hier ohne langwierige Satzungsauslegungs- und Geschäftsordnungsdebatten (über Präsidium, Tagesordnung, Einladungsfristen, Antragsunterschriften usw. usf.) schnell und unbürokratisch zur Sache diskutiert werden kann. Vielleicht gelingt es ja dadurch, viele bisher passive oder passiv gewordene Parteimitglieder wieder für die politische Arbeit zu aktivieren und vor allem den vielen Neumitgliedern die Gelegenheit bieten, sich einzubringen und sich zu beteiligen. An interessantem "Stoff" wird es in der nächsten Zeit mit Sicherheit nicht fehlen.
Schließlich ist das Plenum (daher der Name) offen auch für Nicht-Parteimitglieder. Wie man weiß, sympathisieren viele mit der LINKEN oder sind neugierig, scheuen aber aus vielerlei Gründen den Schritt, ordentliches Mitglied zu werden. Im Plenum besteht die Möglichkeit, sich trotzdem zu beteiligen und hier initiativ zu werden.
Die WASG betrieb auf ihrer Website ein Forum zur Information und Diskussion, an dem sich viele beteiligten und in dem viele Diskussionen ausgetragen wurden. Viele schätzten das Forum als Ort des freien Austausches von Informationen und Meinungen; viele schätzten es nicht, da die Diskussionen manchmal regelrecht aus dem Ruder liefen. Auf jeden Fall war immer ordentlich was los. Auf der letzten Mitgliederversammlung der WASG wurde dieses Forum per Beschluß einem Treuhändergremium mit dem Auftrag übergeben, die Fortführung dieses Forum zu sichern und es für linke Organisationen in Bremen, die es wünschen, zu öffnen.
Das Forum nutzt die ausgereifte, flexible, am häufigsten eingesetzte und dazu preisgünstige Open-Source-Software phpBB. Die Gruppen können ihre Foren für alle mit unterschiedlichen Lese- und Schreibmöglichkeiten öffnen; sie können aber auch für eine ungestörte interne Diskussion sogenannte "geschlossene Benutzergruppen" bilden, die nur mit Paßwort zugänglich sind.
Inzwischen haben folgende Organisationen ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet bzw. richten schon ihre Unterforen ein. Nach Alphabet geordnet sind das: AKL (Antikapitalistische Linke Bremen), BAL (Bremer Antikapitalistische Linke), isl (internationale sozialistische linke), NLO (Netzwerk linke Opposition), SALZ Bremen (Soziales, Arbeit, Leben & Zukunft), SAV Bremen (Sozialistische Alternative Voran), Solidarische Hilfe e.V., SL Bremen (Sozialistische Linke), WASG-Linke-HB.
Das Plenum hat dazu am 21.06.07 einstimmig beschlossen:
"Auf der letzten Landesmitgliederversammlung der WASG am 09.06.07 ist das WASG-Diskussionsforum einer Treuhändergruppe übegeben worden. Diese hat inzwischen das Forum unter dem neuen Namen "oFFo = offenes Forum" erfolgreich auf einen neuen Server transferiert und bietet diese Plattform - entsprechend dem LMV-Beschluß - allen linken Organisationen in Bremen und umzu zur Nutzung an. Das Forum bietet eine gute Möglichkeit, Informationen schnell zu verbreiten, gegenseitig zu informieren, miteinander zu diskutieren und so zur besseren Vernetzung der linken Szenen in Bremen beizutragen. Das Plenum fordert alle Abgeordneten und alle Gremien der Linksfraktion in der Bürgerschaft und alle Mitglieder und Gremien von DIE LINKE auf, dieses Forum zur Information und Diskussion zu unterstützen, selbst aktiv zu nutzen und so zu einer offenen Diskussionskultur beizutragen."
Es ist zu hoffen, dass einerseits die auch in Bremen zersplitterte Linke einige ihrer Feindseligkeiten gegeneinander aus der letzten Zeit mindert und DIE LINKE andererseits sich - wie versprochen - als offene und linkspluralistische Partei begreift, die dieses offene Forum unterstützt und sich aktiv beteiligt.
(sh)