Deutschland ist ein reiches Land. Dennoch leben bundesweit rund 3 Millionen Kinder in Armut. Weil ihre Eltern keine Arbeit und zu wenig Geld haben. Dieser Skandal ist eine logische Folge von Hartz IV. Seit 2004 hat sich die Kinderarmut in Deutschland mehr als verdoppelt. Doch die Bundesregierung sieht tatenlos zu. Allein in Bremen wachsen rund 30.000 Kinder unter Armutsbedingungen auf. 7.000 sind es Bremerhaven. Damit bildet die Seestadt die traurige Spitze der Kinderarmut in westdeutschen Großstädten. Kinder und Jugendliche aus armen Elternhäusern sind benachteiligt: in Schule und Ausbildung, bei der Ernährung und bei der Gesundheit. Für diese Kinder ist ausgeschlossen, was für andere selbstverständlich ist: Musikunterricht, Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs. Das führt zu Ausgrenzung und begründet Armutskarrieren. „Kinder ohne Chancen sind die Arbeitslosen von morgen“, sagt Alt-Bundespräsident Roman Herzog. Ein Teufelskreis: Hauptursachen für Armut sind mangelnde Bildung, geringe Einkommen und Arbeitslosigkeit. Mit Einführung von Hartz IV wurden auch die einmaligen Leistungen für Sozialgeld- und ALG II-Bezieher gestrichen. Darunter fallen etwa die Ausgaben für die Einschulung: die Anschaffung eines Schulranzens, einer Schultüte, von Turnkleidung, Schreibheften und Malstiften. Nach Sozialgesetzbuch stehen einem Schulkind zwei Euro und 62 Cent pro Tag für seine Ernährung zu. Das ist zu wenig, um satt zu werden und doch zu viel um zu hungern.
Der Kampf gegen die Kinderarmut gehört zu den politischen Schwerpunkten der Fraktion DIE LINKE. Deshalb will sie eine soziale Kinder-Grundsicherung einführen. „Wir wollen alle Kinder aus der Sozialhilfe herausholen. Kinder unter 18 Jahren sollen in Zukunft ein einheitliches Kindergeld von 250 Euro erhalten. Gleichzeitig möchten wir den Kinderzuschlag zu einer einkommensabhängigen Grundsicherung ausbauen,“ erklärt Diana Golze, kinder- und jugendpolitische Sprecherin. Insgesamt wäre so ein Existenzminimum von 420 Euro garantiert. Die Kinderarmut ist eine der sozialen Herausforderungen des Jahrzehnts. Die Kindergrundsicherung der Linken könnte das Problem ernsthaft bekämpfen. So ist das beste Rezept gegen die Arbeitslosigkeit von morgen noch immer die Armutsverhinderung von heute. (ms)
Hinweis: Zum Thema „Arme Kinder – Armes Deutschland“ diskutiert heute die Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion Diana Golze gemeinsam mit ihren Gästen.
Datum: Montag, 23. April
Uhrzeit: 19:00 bis 21:00
Ort: Doventorstr. 4 (neben dem Bürgerbüro Troost)